Der Glockenturm der evangelischen Friedenskirche im Potsdamer Park Sanssouci soll für rund vier Millionen Euro saniert werden. Damit werde ein bedeutendes Bauwerk im „Herz von Sanssouci“ instandgesetzt, sagte der Direktor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, Christoph Martin Vogtherr, am Montag in Potsdam. Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) sagte, ein „Stück Italien in Potsdam“ werde wieder erlebbar gemacht. Die Arbeiten am 42 Meter hohen Campanile der zum Unesco-Weltkulturerbe gehörenden Kirche sollen nach Stiftungsangaben in Kürze beginnen und 2024 abgeschlossen werden.

Eine gusseiserne Konstruktion mit reich dekorierter Wendeltreppe habe einst für die Stabilität des 1850 vollendeten Glockenturms gesorgt, hieß es. Durch unzureichende Entwässerung und mangelnde Wartung seien jedoch innerhalb weniger Jahrzehnte irreparable Korrosionsschäden aufgetreten. Bereits 1905 hätten deshalb die mit den Außenwänden verbundenen Eisengussplatten durch massive Geschossebenen aus Stahlbeton verstärkt werden müssen. Doch auch dieses Trägersystem sei inzwischen marode, die Betonplatten aufgeplatzt, das Mauerwerk geschädigt, die Sandsteinsäulen nicht mehr tragfähig.

Für die nun anstehenden Arbeiten ist der Turm bereits eingerüstet worden. Jetzt sollen zunächst die Deckenkonstruktionen im Turminneren freigelegt werden. Danach sollen die geschwächte historische Konstruktion mit einem neuen Edelstahl-„Korsett“ stabilisiert und die Betonverstärkungen wieder rückgebaut werden. Bauexperten würden den Turm indessen zunächst „am offenen Herzen untersuchen“, sagte Frank Karalus, Bereichsbauleiter der Schlösserstiftung. Bei der Stabilisierung werde von oben nach unten gearbeitet. Im kommenden Jahr sollen unter anderem schadhafte Ziegel und Terrakotta-Elemente ausgetauscht werden. Auch das aus vier Bronzeglocken bestehende Geläut soll repariert und das Turmkreuz wieder vergoldet werden.

Günther Jauch gibt rund eine Million Euro für das Projekt

Die Arbeiten seien unter anderem durch Unterstützung des Potsdamer Fernsehmoderators Günther Jauch und der Hermann Reemtsma Stiftung möglich gemacht worden, sagte Vogtherr. Beide hätten jeweils rund eine Million Euro dazu beigetragen, hieß es. Derzeit bestehe noch eine Deckungslücke von 200.000 bis 300.000 Euro, die notfalls durch Spendenmittel der Stiftung gedeckt werden könnte, sagte Vogtherr. Am Montag wurde auch symbolisch ein Spendenscheck in Höhe von 300.000 Euro von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz überreicht.

Vor einigen Jahren waren bereits die Dächer über den Seitenschiffen und das venezianische Apsismosaik aus dem frühen 13. Jahrhundert im Chorraum der Friedenskirche für rund eine Million Euro restauriert worden.