München -  Julian Nagelsmann klatschte seinen Gala-Bayern zufrieden Applaus, dann tröstete er den bedauernswerten Manuel Riemann. Der tapfere Torwart hatte die höchste Niederlage in der Bundesliga-Geschichte des VfL Bochum auch nicht verhindern können, zu stark spielten die Münchner Nagelsmänner beim 7:0 (4:0) auf.

„Wir haben einfach Bock, Fußball zu spielen“, sagte der gebürtige Bochumer Leon Goretzka bei Sky, „es hat viel Spaß gemacht - für uns. Für Bochum nicht so, das tut mir persönlich leid.“ Sieben Gegentore hatte der VfL bislang nur beim 1:7 bei Borussia Mönchengladbach im September 1994 hinnehmen müssen.

„Wir wussten, dass die Bayern eine andere Qualität haben als wir“, sagte VfL-Vorstandschef Hans-Peter Villis, gab sich aber kämpferisch: „Wir sind überzeugt davon, dass wir andere Spiele gewinnen und die Klasse halten werden.“

Für die Bayern geht es um ganz andere Ziele – und sie zeigen immer mehr die Form, in der die höchsten Weihen realistisch erreichbar scheinen. Die jüngsten fünf Pflichtspielsiege wurden mit stolzen 31:1 Toren eingefahren. Gegen Bochum nahmen die Münchner den Schwung aus dem Traumstart in die Champions League beim FC Barcelona (3:0) mit und eroberten zumindest vorübergehend die Tabellenspitze.

Lewandowskis neuer Rekord: Er trifft im 13. Heimspiel in Folge

Der starke Leroy Sané (17.), der bei seiner Auswechslung mit warmem Applaus bedacht wurde, Joshua Kimmich (27.), Serge Gnabry (32.) und ein Eigentor von Vasilios Lampropoulos (43.) machten schon vor der Pause alles klar. Nach Wiederanpfiff stellte Robert Lewandowski mal wieder einen Bundesliga-Rekord auf: Er traf im 13. Heimspiel in Folge (61.). Erneut Kimmich (65.) und der eingewechselte Eric-Maxim Choupo-Moting (79.) stellten den Endstand her.

„Die ersten zehn Minuten waren ein bisschen hektisch“, mäkelte Goretzka, „aber dann haben wir nach und nach unsere Struktur gefunden, da werden wir dann natürlich dominant.“ Es gelinge der Mannschaft „mehr und mehr“, die Philosophie von Nagelsmann umzusetzen.

Der Bayern-Coach hatte das ungleiche Duell durchaus ernst genommen und nach dem Barca-Coup nur drei Neue gebracht. Nach dem Seitenwechsel gab Linksverteidiger Omar Richards (46.) sein Bundesliga- und Neuzugang Marcel Sabitzer (64.) sein Heim-Debüt. Einen echten Bruch im Spiel der Gastgeber gab dies nicht, der FCB dominierte den VfL auch mit der B-Elf.

Höchste Bundesliga-Niederlage für VfL Bochum

„Es ist schwierig, die richtigen Worte zu finden. 7:0 ist schon hart, muss ich sagen. Wir müssen daraus lernen“, sagte VfL-Kapitän Anthony Losilla. Villis fand schon das Halbzeitergebnis „fürchterlich für den VfL Bochum“.

Dabei hatte Gerrit Holtmann mit seinem Schlenzer Manuel Neuer zur ersten Parade der Partie gezwungen (12.). Doch die Bayern fanden schnell rein – und trafen gleich mit ihrem ersten Torschuss. Bei Sanés sehenswertem Freistoßtreffer aus über 25 Metern glich die Bochumer „Mauer“ einem Hühnerhaufen. Die Führung wirkte für den Rekordmeister als Brustlöser, er spielte bald wie entfesselt auf.

Kimmich erhöhte nach einer Hereingabe von Sané. Angeführt vom Sechser und seinem Partner Goretzka eroberten die Münchner verlorene Bälle meist umgehend zurück – und dann ging richtig die Post ab. Gnabry traf nach Tempo-Gegenstoß über Müller. Das 4:0 fiel, als Lampropoulos vor Lewandowski retten wollte und Torwart Riemann auf dem falschen Fuß erwischte. Der Rest war fast schon Schaulaufen – und das in den neuen, dunkelgrünen Wiesn-Trikots.