Berlin - Weil er 35 Kilogramm Kokain in Italien übernommen und verkauft haben soll, muss sich ein 53-Jähriger vor dem Berliner Landgericht verantworten. Der Angeklagte soll das Rauschgift von einer internationalen Bande von Kokainschmugglern erworben haben, die inzwischen als zerschlagen gilt. Der Angeklagte gab zu Beginn des Prozesses am Freitag zu, dass er im Mai 2021 nach Italien gefahren sei, um ein Drogengeschäft abzuwickeln. Die Kommunikation sei über einen verschlüsselten E-Mail-Account gelaufen. Er habe Geld für seinen eigenen Drogenkonsum gebraucht.

Der Angeklagte soll die 35 Kilogramm Kokain von einem von Kolumbien aus agierenden Drogenhändler erworben haben. Über eine Gruppierung sei der Schmuggel nach Italien erfolgt, lautete die Anklage. Im Raum Padua im Norden Italiens sei die vereinbarte Menge übergeben worden - in zwei Taschen hätten sich insgesamt rund 70 Pakete mit je einem halben Kilogramm Kokain befunden. Der Angeklagte habe an einen der Männer, die das Rauschgift nach Italien geschmuggelt haben sollen, eine Provision von 40 000 Euro gezahlt.

Die mutmaßliche Drogenbande soll insgesamt knapp fünf Tonnen Kokain von Südamerika nach Deutschland geschmuggelt haben. Die illegalen Lieferungen sind laut Ermittlungen über Scheinfirmen abgewickelt worden. Rauschgift sei in Stahlträgern versteckt und per Schiff nach Europa transportiert worden, teilten Ermittler im November 2021 nach einer Razzia gegen die mutmaßliche Bande mit.

Über 250 Einsatzkräfte durchsuchten damals mehr als 40 Objekte im In- und Ausland und vollstreckten 14 Haftbefehle. Allein in Berlin wurden zehn Verdächtige festgenommen, ein weiterer in Dortmund, zwei in Lettland und einer in Spanien. Am Rande des jetzigen Prozesses hieß es, gegen zehn Männer, die für die Logistik zuständig gewesen sein sollen, sei inzwischen Anklage erhoben worden.

Der Prozess gegen den 53-Jährigen geht am 28. Juni weiter.