Öffentliche Prestigeprojekte wie das Berliner Humboldt-Forum sollten nach Einschätzung seines Generalintendanten Hartmut Dorgerloh künftig vor privaten Spenden aus dubiosen Quellen besser geschützt werden. Die Offenlegung liege bisher in der Entscheidung der Spenderinnen und Spender, sagte Dorgerloh der dpa in Berlin. Das 680 Millionen Euro teure Zentrum für Kunst, Kultur und Wissenschaft hinter der historisierenden Schlossfassade gilt als aktuell größtes Kulturprojekt Deutschlands. Das Humboldt-Forum konnte nach dem Willen des Bundestages nur entstehen, weil eine private Initiative für die umstrittene Rekonstruktion der Schlossfassade gut 100 Millionen Euro sammelte.

Von Großspender Ehrhardt Bödecker etwa wurden antidemokratische Äußerungen bekannt. Die Familie des 2016 gestorbenen Bödecker bestätigte die Vorwürfe. Auch zu anderen Spendern gibt es kritische Berichte. „Das ist eine grundsätzliche Frage bei prominenten und wichtigen, auch durchaus strittigen Projekten der öffentlichen Hand“, sagte Dorgerloh. „Erstens, inwieweit man das von privaten Spenden abhängig machen will oder ob Steuerzahlerinnen und Steuerzahler auch das gesamte Projekt bezahlen sollen. Die andere Frage ist, ob es hierzulande auch eine andere Art von Spendenpraxis braucht, bei der – wie in anderen europäischen Ländern oder bei Parteispenden – schon ab einer relativ niedrigen Höhe die Zustimmung zur Namensnennung gegeben werden muss.“

Gleichzeitig warnte Dorgerloh: „Was man dann aber auch diskutieren muss, ist, ob man damit dann bereit ist in Kauf zu nehmen, dass es möglicherweise weniger Spenden geben wird. Weil Menschen dann sagen: Nein, wenn mein Name veröffentlicht wird, dann spende ich auch nicht.“

Auch die nicht weniger kritisierte Kuppel mit Kreuz ist aus privaten Spenden finanziert. Dorgerloh sieht den Bau und seine Erscheinung in einem Prozess. „Wir werden auf jeden Fall auch in fünf Jahren weiter über die Geschichte des Ortes und den Umgang mit religiösen Symbolen diskutieren.“ Bis dahin werde es bereits Veränderungen gegeben haben, etwa durch künstlerische Interventionen. „Da sind wir ja in Gesprächen und es gibt verschiedene Vorstellungen, was man in dem Kontext von Kuppel und Kreuz und überhaupt mit der Silhouette des Hauses machen kann“, sagte Dorgerloh. „Wir haben ja bereits mit künstlerischen Interventionen gearbeitet, also auch mit Videoprojektionen zum Beispiel an der Ostfassade oder im Schlüterhof. Das werden wir weiter tun.“