Berlin - Jedes zehnte Kind aus einem Hartz-IV-Haushalt soll einem Bericht zufolge den für ärmere Familien gedachten Corona-Freizeitbonus nicht bekommen. Rund 190.000 Kinder und Jugendliche haben einer Regierungsantwort auf eine Linken-Anfrage zufolge keinen Anspruch auf die staatliche Einmalzahlung von 100 Euro, obwohl sie in einem Hartz IV-Haushalt leben, wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichteten.

Laut Ministerium hätten von den bundesweit zuletzt 1,87 Millionen Minderjährigen in Hartz IV-Familien nur 1,68 Millionen Anrecht auf den Kinderfreizeitbonus. Diese jüngsten Zahlen stammten laut Regierung von April 2021.

Freizeitbonus für Kinder ist Teil von Corona-Aufholprogramm

Ein Hauptgrund für diese Differenz ist nach Angaben der Linken, dass der Bonus nicht für Kinder und Jugendliche gezahlt wird, die in einem Hartz-IV-Haushalt leben und staatlichen Unterhaltsvorschuss erhalten. Diese Zahlung ist für Minderjährige vorgesehen, die bei einem getrennt lebenden Elternteil wohnen und keinen Unterhalt bekommen. Da diese Kinder selbst aber kein Hartz IV erhalten, haben sie keinen Anspruch auf den Freizeitbonus – auch wenn sie in einem Hartz-IV-Haushalt leben.

Der Bonus ist Teil des zwei Milliarden Euro umfassenden Corona-Aufholprogramms, mit dem Bund und Länder die Langzeitfolgen des Lockdowns im Bildungs- und Freizeitbereich für ärmere Kinder und Jugendliche abmildern wollen. Gesetzliche Voraussetzung für die Auszahlung ist der Bezug von Grundsicherung, Wohngeld, Kinderzuschlag oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Unterhaltsvorschuss für Kinder zählt dagegen nicht dazu.

Bei der Umsetzung der Corona-Sonderzahlung habe die Bundesregierung einen Großteil der ärmsten Alleinerziehender und Patchworkfamilien ausgeschlossen, sagte die sozialpolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Katja Kipping, den Funke-Zeitungen. Das Ministerium habe mit seiner Antwort bestätigt, dass es sich nicht „um eine unbeabsichtigte Gesetzeslücke“ handle.