Berlin - Jens Spahn (CDU) hatte den Stein ins Rollen gebracht. Der Gesundheitsminister verkündete Ende Juli, dass die Corona-Inzidenz nicht länger als alleiniger Maßstab zur Bewältigung der Pandemie gelten dürfe. Damit widersprach er dem Chef des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler. Am Montagmorgen wurde es dann konkret: Das Corona-Kabinett um Spahn soll offenbar entschieden haben, den Inzidenzwert aus dem Infektionsschutzgesetz zu streichen. Die Absegnung dieses Beschlusses durch den Bundestag steht allerdings noch aus. 

Nun äußerte sich auch der Deutsche Hausärzteverband zu dieser Debatte: Man befürworte das Vorhaben Spahns, künftig neben der Inzidenz auch andere Faktoren zu berücksichtigen, um die öffentliche Lage einzuschätzen. Ärzteverbandschef Ulrich Weigeldt sagte gegenüber der Rheinischen Post: „Die Bewertung des Infektionsgeschehens müsste längst mehr Aspekte als nur die Inzidenz einbeziehen.“ Die Bundesregierung plant unter anderem, künftig auch die Hospitalisierungsrate mit in den Blick zu nehmen. Weigeldt unterstützt dies: Die Berücksichtigung der Hospitalisierungsrate sei „ein richtiger erster Schritt“, für den es „höchste Zeit“ werde.

Der Fokus soll also künftig verschoben werden: Weg von der – so die Vorwürfe der Kritiker – wenig aussagekräftigen Inzidenzzahl, hin zur Zahl der Covid-Erkrankten, die in Krankenhäusern eingeliefert worden sind. Nur so könne die Belastung des Gesundheitssystems abgebildet werden, sagte Weigeldt. Diese sei im Moment „moderat“, und sie werde vor allem durch Personen verursacht, „die nicht geimpft sind“.