Heimlich gefilmt: 33 Männer mit Sexvideos erpresst

Auf Dating-Seiten lockten Kriminelle mit unverbindlichem Sex – der sich als teurer als erwartet herausstellte. Ein mutmaßlicher Täter sitzt nun in Haft.

Die männlichen Opfer wurden zu erotischem Webcam-Kontakt überredet – und anschließend mit den Videos erpresst. (Symbolbild)
Die männlichen Opfer wurden zu erotischem Webcam-Kontakt überredet – und anschließend mit den Videos erpresst. (Symbolbild)imago/Panthermedia

Mit einer verschlagenen Erpressermethode ist es einer internationalen Bande von Cyberkriminellen gelungen, mindestens 24 Personen in Deutschland und den umliegenden Nachbarländern um insgesamt 295.ooo Euro zu erleichtern. Die ausschließlich männlichen Opfer sollen laut Generalstaatsanwaltschaft Bamberg zu sexuellen Handlungen vor der Kamera überredet und anschließend mit heimlich gemachten Aufnahmen erpresst worden sein – eine kriminelle Finesse, die auch als „Sextortion“ (Sexpressung) bekannt ist.

Ermittlern der Zentralstelle für Cybercrime Bayern sei es gemeinsam mit der Kriminalpolizei Würzburg bereits Anfang März gelungen, einen 24-Jährigen Tatverdächtigen festzunehmen. Seither sitze der Sicherheitsmitarbeiter aus München in Untersuchungshaft. Im Juli wurde Anklage wegen gewerbs- und bandenmäßiger Erpressung gegen ihn erhoben.

Männer mit „Freundschaft auf sexueller Basis“ gelockt

Ins Netz gegangen seien den Erpressern vor allem Männer, die auf Dating-Portalen oder sozialen Netzwerken offenbar nach unverbindlichen Sexualkontakten auf der Suche waren. Weibliche Mitglieder der Bande hätten diese kontaktiert und Interesse an einer „Freundschaft auf sexueller Basis“ vorgetäuscht. 

Daraufhin habe sich ein Vorgang ereignet, den die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg wie folgt beschreibt: „Nachdem die weiblichen Personen sich im Rahmen der geführten Videochats ausgezogen und sexuelle Handlungen an sich vorgenommen hatten, wurden die Geschädigten plangemäß zu vergleichbaren Handlungen aufgefordert. Dieser Aufforderung kamen die Männer nach.“

Weil das Teilen privater sexueller Inhalte im Netz, wie beispielsweise auch das Versenden von „Dickpics“, besonders häufig zu Straftaten führt, rät die Polizei von solchen Handlungen grundsätzlich ab. Dem Klischee zufolge sind derartige Vorkommnisse vor allem bei Jugendlichen bekannt – tatsächlich scheinen aber auch viele erwachsene Männer anfällig für „Sextortion“ zu sein.

Im Fall der offenbar in der Elfenbeinküste verorteten Erpresserbande hätten die Geschädigten sich laut Staatsanwaltschaft in 24 nachgewiesenen Fällen zu Geldzahlungen bereit erklärt. Diese sollen über ein Konto des nun angeklagten 24-Jährigen gelaufen sein. Neun weitere Male sei die Masche zumindest versucht worden. Dem Tatverdächtigen droht im Falle einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe von einem bis zu fünfzehn Jahren.