Berlin - Der Virologe Hendrik Streeck zeigt sich überrascht über die neue Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko). Diese besagt für Menschen unter 60 Jahren, nach einer bereits durchgeführten Erstimpfung mit dem umstrittenen Impfstoff Astrazeneca bei der Zweitimpfung auf andere Vakzine auszuweichen. Die Stiko empfiehlt, in diesen Fällen einen sogenannten mRNA-Impfstoff zu verabreichen. Das sind in Deutschland die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna, beide sind zugelassen.

Dazu sagte Streeck der Fuldaer Zeitung: „Da sind die klinischen Studien noch nicht gelaufen. Ich hielte es für notwendig, sich an die Regeln zu halten und abzuwarten, ob die Studien erfolgreich sind.“ Grundsätzlich halte er es zudem für eine „nachvollziehbare“ Entscheidung, das Astrazeneca-Vakzin nicht mehr an Menschen unter 60 Jahren zu verabreichen. 

Gegensätzliche Aussagen zu umstrittenen Astrazeneca-Impfstoff

Der Vorsitzende der Stiko, Thomas Mertens, sagte der Rheinischen Post dazu: „Der Schutz gegen Covid-19 nimmt bei einmaliger Astrazeneca-Impfung nach gewisser Zeit ab.“ Nach Mertens Aussage könne es bei einer Zweitimpfung mit einem anderen Impfstoff sogar zu einer besseren Schutzwirkung kommen.

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA empfahl am Mittwoch uneingeschränkt die Anwendung von Astrazeneca. Der Nutzen sei höher zu bewerten als die Risiken, so die Behörde. Die britische Impfkommission änderte dagegen ihre Empfehlung: Das Astrazeneca-Präparat soll demnach künftig möglichst nur noch über 30-Jährigen verabreicht werden.