Herbert Feuerstein (1937–2020).
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BerlinSein Nachname verband ihn stets mit der weltberühmten Comic-Figur Fred Feuerstein aus der „Flintstone“-Serie, aber anders als dieses naiv-gewichtige Vorbild glänzte Herbert Feuerstein eher mit Hintersinn und retardierenden Pointen. Das mag einiges mit seinem musikalischen Grundverständnis zu tun haben, obwohl dem 1937 in Zell am See geborenen Österreicher eine Karriere als Musikkritiker früh verwehrt wurde. Nachdem er eine Komposition des Präsidenten der Salzburger Festspiele verrissen hatte, wurde ihm nahegelegt, das Salzburger Mozarteum, an dem er studierte, zu verlassen. Seine schnelle Auffassungsgabe und sein quirliger Wortwitz ließen ihm kaum eine andere Wahl, als in die Rolle des unangepassten Clowns zu schlüpfen, als der er oft schon aufgrund seiner geringen Körpergröße wahrgenommen wurde.

Aus der wohl die erste Hälfte seines Lebens bestimmenden Erfahrung, gerade deswegen oft unterschätzt zu werden, schlug er sein unerschöpfliches komödiantisches Kapital. Dabei war Herbert Feuerstein weniger ein Darsteller klassischer Sketsche, die unweigerlich auf einem Gag als abschließenden Höhepunkt zustreben. Seine große Kunst bestand vielmehr in der permanenten Abschweifung, eine Situationskomik, die ihn oft als deplatzierte Alltagsfigur erscheinen ließ, die eher zufällig zur Stelle war.

Perfektioniert wurde dieses Rollenmodell zweifellos im Zusammenspiel mit Harald Schmidt, zunächst in der Rateshow „Pssst ...“ sowie als Co-Moderator und Chefautor bei „Schmidteinander“. Harald Feuerstein hat wie kein anderer im deutschsprachigen Fernsehen die Rolle des sogenannten Sidekicks geprägt, eine Art Stichwortgeber für den immer populärer werdenden Harald Schmidt, der sich der Bedeutung seines Partners jedoch stets sehr bewusst war.

Seine performative Eigenständigkeit stellte Herbert Feuerstein 1997 auf grandiose Weise in der WDR-Sendung „Feuersteins Nacht“ unter Beweis, in der er ununterbrochen zwölf Stunden lang auf Sendung war und das Kabarett-Genre auf diese Weise von dem Verdacht befreite, auf leichte und schnell verständliche Witzproduktion aus zu sein. Herbert Feuerstein hatte seine Charakteristika längst zu einer plausiblen Kunstfigur verfeinert, in der er den individuellen Charme leicht übersehener Alltagsfiguren herausarbeitete.

Einen wichtigen Anteil an der Entwicklung seiner komödiantisch-satirischen Weltwahrnehmung dürfte ein längerer Aufenthalt im New York der 1960er-Jahre gehabt haben, wo er Korrespondent der legendären Satire-Zeitschrift „Pardon“ war. Zu Beginn der 90er-Jahre wurde er Chefredakteur der deutschsprachigen Ausgabe des Magazins „MAD“, dessen kuriose Titelfigur Alfred E. Neumann nicht zuletzt physiognomisch Ähnlichkeit mit Feuerstein aufwies. Am Mittwoch ist Herbert F. Feuerstein in Erftstadt in der Nähe von Köln im Alter von 83 Jahren gestorben.