Im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine sieht die aus Osteuropa stammende Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller keine diplomatischen Wege zu Wladimir Putin. Dafür sei inzwischen zu viel passiert, sagte die 68-jährige Schriftstellerin der in Düsseldorf erscheinenden Rheinischen Post (online, Sonntag). „Mit Putin gibt es keine Zukunft mehr. Leichen sind für Putin das Gewöhnliche.“

Vor diesem Hintergrund sei es wichtig, dass die Ukraine den Krieg nicht nur gewinnen müsse, so die gebürtige Rumänin: „Nein: Ich hoffe, die Ukraine kann so siegen, dass man auch in Russland die Kriegsverbrechen der eigenen Armee nicht mehr leugnen kann und erkennt, dass die Verantwortlichen vor ein Kriegsverbrechertribunal gehören.“

Herta Müller: „Mich verstört diese Hilflosigkeit“

Die Schriftstellerin forderte, dass Deutschland – wie Ende April vom Bundestag beschlossen – auch schwere Waffen an die Ukraine liefere. „Mich verstört diese Hilflosigkeit, in der wir sind. Darum müssen wir die Menschen in der Ukraine mit allen Mitteln unterstützen“, sagte Müller. Die Länder dürften sich „nicht von einem wahnsinnig gewordenen Diktator erpressen lassen!“, mahnte sie. „Wenn wir Putin jetzt nicht in die Schranken weisen, werden wir für nichts mehr garantieren, was wir für uns selbstverständlich in Anspruch nehmen.“

Müller, die 2009 mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt wurde, lebt seit 1987 in Berlin. Sie wurde 1953 in der deutschsprachigen Region Banat in Rumänien geboren und wuchs dort auf. Als Teil einer Minderheit wurde sie vom rumänischen Geheimdienst überwacht und bedroht. In ihrem 2009 erschienenen Roman „Atemschaukel“ schreibt sie über den Alltag in einem sowjetischen Gulag.