Adolf Hitler hatte panische Angst, schwer zu erkranken. Wie die NZZ am Sonntag berichtet, geht das aus Briefen hervor, aus denen der Schweizer Nachkomme eines Arztes jetzt Details veröffentlicht hat. Demnach zeigen die Briefe Carl Otto von Eickens, wie sehr sich Hitler vor einer schweren Krankheit fürchtete. In den Briefen schrieb der Hals-Nasen-Ohren-Spezialist von Eicken an Verwandte von seinen Begegnungen mit Hitler, so die NZZ. Robert Doepgen, Ururenkel von Eickens entdeckte sie, als er im Familienarchiv für ein Schulprojekt stöberte.

Der Mediziner behandelte Adolf Hitler zunächst wegen Stimmproblemen. „Wenn es etwas Schlimmes gibt, muss ich es unbedingt wissen“, sagte Hitler demnach offenbar den Ärzten, nachdem er sie im Mai 1935 konsultiert hatte. Der Diktator war offenbar davon überzeugt, an Kehlkopfkrebs erkrankt zu sein. In Wahrheit hatte er aber nur einen etwa einen Zentimeter großen Polypen auf den Stimmbändern.

Seiner Cousine schrieb der Arzt später, der Diktator sei danach „beglückt“ gewesen und habe ihm „auf den Oberschenkel gehauen“. Ein anderes Mal behandelte von Eicken Hitler auf dem Obersalzberg, als der offensichtlich überzeugt war, einen Dorn verschluckt zu haben.

Historiker bürgt für Echtheit der Briefe über Hitler

Zum letzten Mal sah von Eicken den Diktator offenbar kurz vor dem Jahreswechsel 1944/1945. Im November hatte er Hitler einen weiteren Stimmbandpolypen entfernt, anschließend trank man Sekt. „Der Führer ging brav jeden Tag an die frische Luft. Er bekam wieder rote Backen, auch sein Schlaf wurde besser“, stellte von Eicken in einem weiteren Brief fest. Das Schreiben endet mit der Zeile: „Ich war zuletzt am 30.12. bei ihm und konnte ihn für ganz hergestellt erklären. Er strahlte.“

Von Eicken habe in seinen Briefen nie hinterfragt, dass er der behandelnde Arzt eines Mannes war, der verantwortlich für die Tötung von Millionen von Menschen gewesen sei, schreibt die NZZ. Auf die Frage der Russen nach dem Krieg, warum er den Diktator nicht getötet habe, soll von Eicken geantwortet haben: „Ich war sein Arzt, nicht sein Mörder.“

Ob der Mediziner selbst ein Nazi war, geht aus den Dokumenten laut NZZ nicht hervor. Die Briefe sind nach Angaben des Historikers Richard J. Evans echt. Dafür bürge der Spezialist für deutsche Geschichte, heißt es.