Berlin - In Berlin sind die Temperaturen am Wochenende auf in diesem Jahr bisher unerreichte Werte von weit über 30 Grad geklettert. Tausende suchten Abkühlung, bei Badeunfällen in der Hauptstadt kamen zwei Menschen ums Leben. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) machte am Samstag und Sonntag mit einer amtlichen Hitzewarnung für Berlin und Teile Brandenburgs auf die außergewöhnliche Wärmebelastung aufmerksam. Freibadbesucher und Bahn-Ausflügler brauchten viel Geduld.

Am Samstagabend war laut Feuerwehr ein 17-Jähriger am Weißen See im Bezirk Pankow als vermisst gemeldet worden. Die Rettungskräfte fanden den Teenager nach etwa 20-minütiger Suche in dem See und leiteten Wiederbelebungsmaßnahmen ein - einem Sprecher zufolge ohne Erfolg.

Etwa eineinhalb Stunden später wurde die Feuerwehr wegen eines vermissten 59-Jährigen zum Flughafensee im Ortsteil Tegel gerufen. Tauchern gelang es, den im Wasser treibenden Mann zu finden, die Wiederbelebungsmaßnahmen verliefen auch in diesem Fall erfolglos. Vermutlich trieb der Mann schon mehrere Stunden im Wasser und war - offenbar von anderen Badegästen unbemerkt - untergegangen. Wie es zu den beiden Badeunfällen kam, war zunächst unklar.

Der DWD warnte auf seiner Internetseite am Sonntag, wie schon am Tag zuvor, für die Hauptstadt, Potsdam und weitere Kreise werde erneut eine starke Wärmebelastung erwartet. Die amtliche Hitzewarnung gilt bis 19 Uhr. Zudem machten die Experten vielerorts erneut auf die hohe UV-Strahlung und die Notwendigkeit entsprechender Schutzmaßnahmen aufmerksam.

Der Vorhersage nach sollten am Sonntag im Tagesverlauf im Norden Brandenburgs bis zu 32 Grad, im Süden Brandenburgs und in Berlin Spitzenwerte zwischen 34 und 38 Grad erreicht werden. In der zweiten Tageshälfte seien örtlich teils kräftige Gewitter mit Starkregen möglich, hieß es vom DWD. In der Nacht soll es merklich abkühlen.

Auf und in den Gewässern zwischen Berlin und Potsdam waren viele Boote, Stand-Up-Paddler und Kajaks unterwegs, die Oberdecks von Ausflugsbooten gut gefüllt. Berlins Freibäder verzeichneten an beiden Tagen einen außergewöhnlichen Ansturm - die teils viele Meter langen Warteschlangen forderten oft Geduld und gute Nerven.

So bildeten sich beispielsweise vorm Sommerbad am Insulaner einer dpa-Reporterin zufolge schon am frühen Sonntagmorgen erste Schlangen, die rasch anwuchsen. Am Einlass bemühten sich Sicherheitskräfte, den großen Andrang in geordneten Bahnen zu halten. Auch in anderen Bädern war die Zahl der Gäste weit überdurchschnittlich.

Die Berliner Bäderbetriebe hatten mit Blick auf das heiße Wochenende Badegäste gebeten, ihre Tickets im Online-Shop vorher zu buchen, was den Einlass garantiere. Der Server für den Online-Shop hielt der außergewöhnlich hohen Nachfrage nicht stand, wie Sprecher Matthias Oloew am Sonntag sagte. Allein am Samstag habe es etwa 260 000 Anfragen an den Shop gegeben. „Das ist ein Vielfaches dessen, was wir auch im langjährigen Mittel an Eintrittskarten für ein solches heißes Wochenende verkauft haben. Daher war mit diesem hohen Anfragedruck nicht zu rechnen“, so Oloew. Nach Problemen am Samstag ging der Shop am Sonntag den Angaben zufolge erneut in die Knie. Karten für die Freibäder seien zunächst nur an den Kassen der Bäder zu bekommen, sagte der Sprecher.

Am Samstag gab es viele Ausflügler, viele Züge fielen aus, hatten Verspätung oder waren sehr voll. Die Bahn-Tochter DB Regio teilte an beiden Tagen für Züge mehrerer Regionallinien wie RE1 und RE3 via Twitter beispielsweise mit, dass „wegen des außergewöhnlich hohen Fahrgastaufkommens“ keine Menschen mehr zusteigen und keine Fahrräder mitgenommen werden könnten.

Zu den Hintergründen sagte ein Bahnsprecher auf Anfrage, das 9-Euro-Ticket sei beliebt und führe dazu, dass mehr Menschen mit Bus und Bahn unterwegs seien. Aktuell beeinflussten in der Region Berlin und Brandenburg auch Baustellen sowie ein leicht erhöhter Krankenstand die Qualität im Regionalverkehr.