Berlin - Mit dem Sommer sind die Mücken zurück nach Berlin gekommen. Experten warnen in diesem Jahr vor einer wahren Plage der kleinen Insekten. Bei Tipps, um sich Mücken vom Hals zu halten, und Ratschlägen gegen den Juckreiz kursieren viele Gerüchte. Welche Mittel helfen tatsächlich gegen die lästigen Stiche?

Hitze gegen den Juckreiz

Ein Hilfsmittel gegen den Juckreiz sind sogenannte Hitzestifte. Teilweise können diese sogar mit dem Smartphone verbunden werden. Eine App zeigt dann an, wann der kleine Stecker wieder von der Haut weggenommen werden sollte. Der Hitzeschmerz sorgt dafür, dass die Nerven das Juckreizsignal nicht mehr so gut weiterleiten können. Und wenn es weniger juckt, will man sich auch nicht ständig kratzen. Hautarzt Christoph Liebich bestätigt: „Der leichte Hitzeschmerz löscht den Juckreiz kurz aus.“ Wobei diese Wirkung eher kurzfristig sei.

Doch die Hitze macht noch mehr. Der Zweck sei vor allem die Zerstörung des Enzyms, das die Mücken in ihrem Speichel haben, damit das menschliche Blut beim Saugen nicht gerinnt – das würde den feinen Rüssel der Mücke verstopfen. Das Problem: Ihr Speichel provoziert in unserem Körper eine Abwehrreaktion und beschert uns diesen unangenehmen Juckreiz. „Hitze direkt drauf ist gut. Die zerstört dieses Enzym, weil es aus Eiweiß besteht“, erklärt der Mediziner aus München. „Das ist wie beim Eierkochen.“ 

Weitere Hilfsmittel: Kühlen und Cremes

Es kann auch angenehm sein, einen Mückenstich zu kühlen. Als Hausmittel-Alternativen nennt die Zeitschrift Apotheken Umschau außerdem Umschläge mit essigsaurer Tonerde oder eine aufgeschnittene Zwiebel, die auf die Einstichstelle gedrückt wird.

Juckt die Haut sehr stark, können entzündungshemmende Salben mit Cortisol helfen. „Die gibt es speziell für Insektenstiche. Am besten lässt man sich in der Apotheke beraten, welche Creme die passende ist – vor allem auch, wenn sie für Kinder gedacht ist“, rät Dermatologe Liebich. Auch Antihistaminika, also Mittel gegen allergiebedingte Beschwerden, machen die Situation erträglicher, wenn man gestochen wurde. Sie gibt es zum Auftragen auf die Haut oder in Tablettenform.

Warum Kratzen die Sache nur schlimmer macht

Auf jeden Fall gilt: Finger weg vom Stich. Wer kratzt, arbeitet die Enzyme im Mückenspeichel am Ende nur tiefer ins Gewebe ein und bringt über die Fingerkuppen schlimmstenfalls noch Schmutz und Keime in die Wunde – Infektionsgefahr. Man sollte auch nicht mit dem Arm auf der Stelle reiben, sagt Liebich. „Am besten ist es, gar nicht am Stich herumzumanipulieren.“

Anders sieht es drumherum aus: Jedenfalls gibt die Stiftung Warentest den Ratschlag, mit zwei Fingern die Haut um die Stichstelle herum einzukneifen. Da lasse der Juckreiz oft nach, heißt es in der Zeitschrift test.

Nicht jeder reagiert gleich auf Mückenstiche. „Hat man zum Beispiel ein hochempfindliches Immunsystem, reagiert man womöglich sensibler“, sagt Liebich. Wer in Folge des Stichs Kreislaufprobleme bekommt oder Schwierigkeiten beim Atmen hat, wer Fieber oder Schüttelfrost hat, der sollte zum Arzt gehen. Das gilt auch bei stark entzündeten Stichen.

Abends lange Kleidung tragen

Zum Schutz gegen Mücken empfiehlt die Stiftung Warentest, abends – wenn die Mücken besonders aktiv sind – lange, dicht gewebte Kleidung zu tragen. Fliegengitter vor dem Fenster sowie Moskitonetze über dem Bett halten die kleinen Insekten ebenfalls ab.

Von Mücken-Abwehrmitteln zum Auftragen auf die Haut haben laut der Stiftung jene mit den Wirkstoffen Diethyltoluamid (DEET), Icaridin oder Para-Menthan-3,8-diol (PMD) in Produkttests gut abgeschnitten. Nicht überzeugend seien Mittel auf Basis ätherischer Öle gewesen.

Oft gehört, aber leider falsch: Der Tipp, dass man abends im Schlafzimmer das Licht auslassen sollte, weil das Mücken anziehe. Tatsächlich sehen Mücken schlecht und werden eher von Gerüchen wie Parfüm und dem Kohlenstoffdioxid in der Ausatemluft angelockt.