„Holen unsere Heimat zurück“: AfD-Politiker posiert auf Holocaust-Mahnmal

Am Rande einer Großdemo stellt sich ein AfD-Funktionär triumphierend auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin. Die „Betonklötze“ würden auch als „öffentliches Klo“ fungieren.

Das Holocaust-Mahnmal in Berlin-Mitte
Das Holocaust-Mahnmal in Berlin-MitteImago/Jürgen Ritter

Ein Foto des AfD-Mitglieds und ehemaligen Thüringer Landtagskandidaten Holger Winterstein sorgt für Empörung. Das von Winterstein selbst bei Facebook hochgeladene Bild zeigt den Kommunalpolitiker auf dem Holocaust-Mahnmal in der Nähe des Brandenburger Tors – die Arme in die Höhe gestreckt, freudestrahlend, augenscheinlich jubelnd. Er selbst bezeichnete das Denkmal als „Betonklötze“, die auch als „öffentliches Klo“ fungieren würden.

Entstanden ist das Bild offenbar bei der AfD-Großdemonstration am Samstag. Unter dem Motto „Energiesicherheit und Schutz vor Inflation – Unser Land zuerst“ hatten laut Polizeiangaben „mehr als 10.000“ Menschen gegen die Politik der Bundesregierung demonstriert. Auf Videos der Kundgebung waren, neben friedlichen Demonstranten, vereinzelt auch Reichsflaggen, Hitlergrüße und Angriffe auf Journalisten zu sehen.

„Wir da unten haben denen da oben ihren Weg gezeigt“, heißt es unter dem Foto Wintersteins. „Ohne Umweg, über die hochverdiente Hölle, ins Nirvana“. Gegen den regierungskritischen Protestzug am Wochenende – bei dem es insgesamt 31 Festnahmen und mehrere Anzeigen wegen schwerer Körperverletzung gegeben hatte – sei „jeder Widerstand sinnlos“ gewesen. „Wir holen uns unsere Heimat zurück“, schrieb der AfD-Politiker.

AfD-Landesverband will Konsequenzen ziehen

Angesichts harscher Kritik und zahlreicher Antisemitismus-Vorwürfe hat sich die Thüringer AfD inzwischen von ihrem einstigen Listenkandidaten distanziert. „Das Verhalten des Mitglieds ist nicht akzeptabel“, teilte der Landesverband via Twitter mit. „Wir werden den Sachverhalt intern aufarbeiten und die notwendigen Konsequenzen ziehen.“

Winterstein selbst teilte in einem schriftlichen Statement über Facebook mit, sein Foto sei „missverstanden“ worden. Er leugne keine „Untaten“ und achte den jüdischen Glauben. Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas bezeichnete der AfD-Funktionär auf Facebook als „Betonklötze in deren Labyrinth Leute Pipi machten“ und fügte hinzu: „Bald wird es Mahnmale gegen dumme und Volks-und heimatfeindliche Politik geben müssen.“ Inzwischen sind sowohl Foto als auch Stellungnahme gelöscht.