Berlin - Nach zwei Wochen Hungerstreik für eine radikale Klimawende haben die Beteiligten in Berlin angekündigt, ihre Aktion noch zu verschärfen. Ab sofort würden die jungen Leute mehrheitlich auch auf verdünnten Fruchtsaft verzichten, erklärten die Organisatoren am Montag. Als Grund nannten sie das „fatale Wahlkampf-Weiter-So“ der Kanzlerkandidaten von Union, SPD und Grünen. In einer Mitteilung hieß es: „Unsere Lage spitzt sich zu. Wir sind verzweifelt. Wir müssen jetzt ehrlich reden.“

Die Klimaaktivisten hatten nach eigenen Angaben am 30. August einen unbefristeten Hungerstreik begonnen. Damit wollen sie eine öffentliche Diskussion mit den drei Kanzlerkandidaten erreichen sowie die Einsetzung eines Bürgerrats, der der Politik Sofortmaßnahmen gegen den Klimawandel vorgeben soll.

Kanzlerkandidaten bitten die Hungernden, nicht die Gesundheit zu riskieren

Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock hatte vorige Woche mit den jungen Leuten telefoniert und sie aufgefordert, sich nicht in Gefahr zu bringen und wieder zu essen. Einen ähnlichen Appell richtete SPD-Kandidat Olaf Scholz an die Aktivisten. Diese pochen jedoch auf Erfüllung ihrer Forderungen. Unionskanzlerkandidat Armin Laschet, CDU, schloss ein Gespräch mit den Hungerstreikenden nicht aus. Im Hörfunk-Interview mit dem ARD-Hauptstadtstudio sagte er am Montag, er spreche mit so vielen Menschen wie möglich. „Insofern wird sich zeigen, ob sich das ermöglichen lässt.“ Es gebe aber noch andere im Lande, die ein Gespräch führen wollten. Er bitte „die jungen Leute vor dem Reichstag, nicht ihre Gesundheit und ihr Leben aufs Spiel zu setzen.“

Bei der Bundestagswahl entscheide sich, ob „wir als Menschheit noch eine Chance haben, zumindest unter zwei Grad globaler Erwärmung bleiben zu können“, erklärte die 19-jährige Aktivistin Lina Eichler. Doch gehe es „im Wahlkampf um Klimaschutz-Phrasen, Lippenbekenntnisse und dreiste Lügen“. Keine Partei habe ein angemessenes Wahlprogramm. Der 21-jährige Henning Jeschke sprach in der Mitteilung von „Verrat“ und „Mord an der jungen Generation“.

Die Aktivisten leben in einem Camp in der Nähe des Reichstags. Von ursprünglich sieben Hungernden hatte eine junge Frau vergangene Woche die Aktion aus gesundheitlichen Gründen aufgegeben.