Berlin - Der als Organisator des sogenannten Ibiza-Videos geltende Sicherheitsberater Julian H. hat sich in einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung Der Standard zu den Hintergründen des Skandals geäußert. Er befindet sich aktuell wegen des Verdachts auf Drogenhandel und Erpressung in einem Berliner Gefängnis, spricht aber von konstruierten Vorwürfen, die mit dem Video zu tun hätten. Ob alle von ihm gemachten Angaben stimmen, ist unklar. Die im Zuge des Skandals zurückgetretenen früheren FPÖ-Politiker Heinz-Christian Strache und Johann Gudenus bestreiten die gegen sie erhobenen Vorwürfe.

Ibiza-Skandal: „Harmloser angelegt“

Ursprünglich sei das Ganze „noch weitaus harmloser angelegt“ angewesen, so H. mit Blick auf ein von ihm und dem involvierten Anwalt M. geplantes Treffen mit Gudenus und einer Maklerin, die diesen kannte: „Wir dachten, wir gehen mit denen teuer essen und schauen, was sie konsumieren und reden, und im besten Fall kommt Strache dazu.“ Nach verschiedenen Plänen, Anläufen und einem Treffen mit Gudenus kam es demnach wenige Monate vor der österreichischen Nationalratswahl 2017 zu dem Abend auf Ibiza.

„Aus meiner sicherheitstechnischen Perspektive war es unglaublich, dass man mit jemandem, der wohl bald in der Regierung sein würde, so leicht ein solches Treffen arrangieren konnte“, so H. Danach habe es seitens des späteren FPÖ-Vizekanzlers den Wunsch gegeben, sich vor der Wahl noch mal im Ausland zu treffen, „wo Strache angeblich ganz offen reden wollte“. H. sagte dazu: „Wir hätten die Handys vorher abgeben müssen, das wollte Anwalt M. aber nicht mehr finanzieren“, und fügte bezüglich der als sogenannter Lockvogel fungierenden vermeintlichen russischen Oligarchennichte hinzu: „Ich wusste auch nicht, ob ich die Russin noch einmal dafür bekomme.“

Mutmaßliches Treffen mit Böhmermann 

Gudenus habe ihm bereits vor der Videoaufnahme gesagt, es habe Warnungen aus dem Umfeld des späteren Bundeskanzlers Sebastian Kurz (ÖVP) gegeben, „dass sie jemand mit einem Video reinlegen wolle, und deshalb müssten wir vorsichtig sein“. H. verweist auf den Journalisten eines österreichen Mediums, der „das entgegen Verschwiegenheitsabreden direkt ins ÖVP-Umfeld getragen haben dürfte“. Das sei mit ein Grund gewesen, „warum danach deutsche Medien kontaktiert wurden“. Er sei später dann „über mehrere Ecken“ zur Süddeutschen Zeitung gekommen.

In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel erzählte H. darüber hinaus, wie Moderator Jan Böhmermann, der in einer Videobotschaft bei der Verleihung des österreichischen Film- und Fernsehpreises Romy bereits 2018 Andeutungen zu dem Video machte, davon erfuhr. Er habe ihm „über Umwege“ zutragen lassen, es gebe ein Video, das von internationalen Medien veröffentlicht werde. Es könne aber nur veröffentlicht werden, wenn eine Quelle abgesichert werde. Kurz vor der Romy-Gala habe es dann ein Treffen mit Böhmermann in Köln gegeben, bei dem der die Geschichte erzählt bekam, so H. weiter: „Er hat aber gemeint, damit will er nichts zu tun haben.“ Böhmermann arbeitet gemeinsam mit dem österreichischen Regisseur David Schalko an einer Verfilmung des Skandals.