Zwanzig Jahre nach seiner Ausmusterung soll einer der legendären Prestigezüge der DDR-Bahn wieder durch die Landschaft rasen – zumindest in Mitteldeutschland. Fans und Liebhaber des „ICE des Ostens“ wollen das stillgelegte Exemplar des berühmten Schnelltriebwagens VT 18.16 restaurieren und wieder fahrtüchtig machen. Die für das Projekt gegründete Betreibergesellschaft SVT Görlitz gGmbH ruft Freiwillige zum Mitmachen auf: Bahn-Fans schrauben und basteln an jedem zweiten Sonnabend des Monats an ihrem Kult-Zug – der nächste Termin ist am 14. Mai, 9 bis 17 Uhr, in der SVT-Halle, Zwickauer Straße 66, in Dresden.

Eine Arbeitsgruppe kümmert sich um die Instandsetzung der Bremsen. „Hier sind Bauteile zu demontieren, zu reinigen und zu prüfen“, heißt es aktuell auf der Internetseite der Zugfreunde. „Daneben werden an der Fahrzeugverkleidung Klappen und Scharniere aufgearbeitet.“ Ein weiteres Team kümmert sich unter fachkundiger Anleitung um die Fahrzeugelektrik. Interessenten sollten sich online bei der SVT Görlitz gGmbH anmelden.

Am Museumstag kann jeder die Technik in Augenschein nehmen

Einen Tag später, am 15. Mai, findet von 10 bis 16 Uhr in Zusammenarbeit mit dem Eisenbahnmuseum Dresden ein Öffnungstag statt. „Wir öffnen die Hallentore und informieren Sie zum Projekt ‚SVT Görlitz – Ein Zug für Mitteldeutschland‘“, heißt es in einer Internet-Ankündigung. „Die Technik des SVT Bauart Görlitz können Sie während einer Führung in den Fahrzeugen VTa 18.16.10 und VMc 18.16.07 in Augenschein nehmen.“ Und weiter: „Die Fahrzeuge VTb 18.16.07 und VMe 18.16.05 werden an diesem Tag vorübergehend verabschiedet. Die Überführung zur weiteren Aufarbeitung nach Halberstadt wird zeitnah erfolgen.“

Wann kehrt der DDR-Reisezug auf die Schiene zurück?

Die geschätzten Kosten der Restaurierung des „ICE des Ostens“ liegen, wie es zum Projektstart hieß, bei rund vier Millionen Euro. Das Ziel: Im März 2023 soll der einstige internationale Reisezug zurück auf der Schiene sein, genau 60 Jahre nach der Vorstellung des Prototyps bei der Leipziger Messe. Bereits beendet ist laut Website die Projektphase eins. Deren Ziel: „Regionale Partner werden eingebunden und eine gemeinnützige GmbH als Träger des Projekts gegründet. Der Zug soll geschützt abgestellt werden und die Gesellschaft bemüht sich um die Projektfinanzierung und weitere Partner.“

DDR-Züge trugen Namen wie Vindobona, Karlex oder Neptun

Der Nobelzug der Deutschen Reichsbahn wurde vor allem durch den Einsatz des Schnelltriebwagens der später SVT 175 bezeichneten Baureihe zur Legende. In den 60er-Jahren stellte der Waggonbau Görlitz acht davon her. Die mit ihnen international verkehrenden luxuriösen Dieselzüge wurden Vindobona, Karlex oder Neptun genannt – je nach Strecke: von Berlin und Leipzig aus über Prag nach Wien, nach Karlsbad (Tschechien) oder auch mit der Fähre über die Ostsee nach Kopenhagen und Malmö.

„Die Namen, die schnittige und visionäre Form und 160 Kilometer pro Stunde Höchstgeschwindigkeit machten die Züge damals zum Stolz der Reichsbahn und vieler Eisenbahnfreunde in der DDR“, hieß es. SVT stand für Schnellverkehrstriebzug mit Verbrennungsmotor, die 18 für 1800 PS und die 16 für die Höchstgeschwindigkeit. (mit dpa)