„Ich bin dein Tod“: Brite schildert Folter in russischer Gefangenschaft

Eigentlich sollte Aiden Aslin als Feind Russlands hingerichtet werden. Nach seiner Freilassung berichtet er von schrecklichen Haftbedingungen. 

Aiden Aslin in einem Gerichtssaal in Donezk. Er wurde Anfang Juni von prorussischen Seperatisten in der Ostukraine zum Tode verurteilt.
Aiden Aslin in einem Gerichtssaal in Donezk. Er wurde Anfang Juni von prorussischen Seperatisten in der Ostukraine zum Tode verurteilt.AP Photo

Ein durch einen Gefangenenaustausch im Ukraine-Krieg freigekommener Brite hat in einem Interview von Folter in russischer Gefangenschaft berichtet. Während Verhören sei er wiederholt mit einem Schlagstock misshandelt und gezwungen worden, die russische Nationalhymne zu singen, berichtete Aiden Aslin der britischen Boulevardzeitung The Sun vom Sonntag. Aslin ist einer von fünf Briten, die am Mittwoch aus russischer Kriegsgefangenschaft nach Riad ausgeflogen wurden.

Der 28-Jährige aus dem zentralenglischen Nottinghamshire lebte zu Beginn des Krieges bei seiner Verlobten in der Ukraine und diente im dortigen Militär. Nachdem seine Einheit bei Kämpfen um Kiew kapituliert hatte, geriet er in russische Gefangenschaft. Anfang Juni wurde er schließlich von prorussischen Separatisten in Donezk als Söldner zum Tode durch ein Erschießungskommando verurteilt.

„Schlimmer als ein Hund behandelt“

Wie Aslin erzählte, sei er während eines Verhörs gegen die Stirn geschlagen worden und dann zu Boden gefallen. Ein Offizier habe sich neben ihn gekniet und auf Russisch gesagt: „Ich bin dein Tod.“ Anschließend habe der Mann auf seinen Rücken gezeigt. „Er zeigte mir sein Messer und mir wurde klar, dass er damit zugestochen hatte“, sagte der 28-Jährige. Er trägt nun mehrere Narben auf dem Rücken.

Eingesperrt worden sei er in Isolationshaft, mit Läusen, Kakerlaken und ohne Tageslicht. Man habe ihn „schlimmer als ein Hund behandelt“, so Aslin. Außerdem hätten seine Bewacher „die russische Nationalhymne in Dauerschleife gespielt“ und ihn unter Androhung weiterer Schläge gezwungen, aufzustehen und mitzusingen.

Videos solcher Vorfälle habe man nach Angaben der Zeitung auch Aslins Mutter zugespielt – um diese unter Druck zu setzen, sich mit Forderungen der Seperatisten an die britische Regierung zu wenden. „Es war sehr schwer, damit umzugehen – aber wir haben uns geweigert, ihre Spielchen mitzuspielen“, erzählte die 51-Jährige der Sun. „Als Mutter tut man alles, um zu verhindern, dass seinen Kindern Schaden zugefügt wird.“

UN: Beweise für russische Kriegsverbrechen gefunden

Aslin wurde im Zuge eines Häftlingsaustauschs zwischen Russland und der Ukraine befreit. „Ich habe nicht geglaubt, dass ich es jemals lebend da raus schaffe“, sagte er. Die Gefangenen aus Russland wurden nach ihrer Freilassung zunächst nach Saudi-Arabien überstellt. Die Ukraine hatte Russland bereits kurz nach dem Austausch „brutale Folter“ der Gefangenen vorgeworfen. Man habe zahlreiche Folterspuren gefunden. Zudem bräuchten alle freigelassenen Soldaten dringend psychische Behandlung.

Auch Erkenntnisse von UN-Ermittlern stützen augenscheinlich die Berichte Aslins. Demnach seien bei Untersuchungen in den Gebieten Kiew, Tschernihiw, Charkiw und Sumy, eindeutige Beweise für russische Kriegsverbrechen gefunden worden. UN-Generalsekretär António Guterres sprach, bezugnehmend auf UN-Menschenrechtsberichte, von „außergerichtlichen Hinrichtungen, sexueller Gewalt, Folter und anderer unmenschlicher und erniedrigender Behandlung von Zivilisten und Kriegsgefangenen“.