Berlin - Die Mieten in Deutschland klettern weiterhin rasant, und das besonders stark bei den Wohnungen von Hartz-IV-Empfängern. In den vergangenen sechs Jahren legten die Mietpreise um fast 30 Prozent zu. „Insgesamt kostet die drastische Steigerung der Mieten bei den Wohnungen von Hartz-IV-Empfängern knapp zwei Milliarden Euro zusätzlich pro Jahr“, bezifferte der IG-Bau-Bundesvorsitzende Robert Feiger in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Sonntagausgaben), wie viel Mehrausgaben der Staat wegen steigender Mieten für Hartz-IV-Empfänger stemmen muss. Feiger beruft sich dabei auf neue Berechnungen des Pestel-Instituts.

Demnach sind die Hartz-IV-Mietpreise in den vergangenen sechs Jahren um rund 30 Prozent gestiegen, während sich die Verbraucherpreise im selben Zeitraum – zwischen Januar 2015 und März 2021 – nur um 9,1 Prozent erhöht hätten.

Mietpreis in einfachen Wohnungen um fast 30 Prozent gestiegen

Grundsätzlich handelt es sich bei Wohnungen, die von Hartz-IV-Beziehern genutzt werden, um einfach ausgestattete Unterkünfte. Dennoch ist auch in dieser Kategorie der Mietpreis in den vergangenen sechs Jahren von 5,43 Euro pro Quadratmeter auf 7,05 Euro gestiegen – um 29,7 Prozent, berichtet Feiger. „Selbst für einfache Wohnungen sind die Mieten in den vergangenen sechs Jahren also mehr als dreimal so stark gestiegen wie die Verbraucherpreise“, sagte IG Bau-Chef Robert Feiger.

Im Prinzip gebe der Staat damit Monat für Monat über 164,4 Millionen Euro „zu viel“ für Mieten aus. Der IG-Bau-Chef wirft der Bundesregierung eine verfehlte Wohnungsbaupolitik vor. Bund und Länder hätten zuletzt jährlich nur noch 2,2 Milliarden Euro pro Jahr in den sozialen Wohnungsbau investiert.

Gewerkschaft fordert mehr bezahlbaren und sozialen Wohnungsbau

„Wenn der Staat durch eine effektivere Wohnungsbaupolitik für mehr Neubau vor allem von bezahlbaren Wohnungen und von Sozialmietwohnungen gesorgt hätte, dann würde es auch mehr preisgünstige Wohnungen auf dem Markt geben“, ist der Gewerkschaftschef überzeugt.

Damit hätte der Staat dazu beitragen können, den Anstieg der Mieten auf dem Niveau der Entwicklung der Verbraucherpreise zu halten. Der Gewerkschaftschef fordert die nächste Bundesregierung auf, eine Offensive für bezahlbaren und sozialen Wohnungsbau zu starten.

Hartz-IV-Haushalte in Berlin: Mieten um 23,3 Prozent gestiegen

„Der Staat investiert nur effektiv, wenn er Geld in die Wohnungsbauförderung steckt. Aber garantiert nicht, wenn er immer größere Summen für immer höhere Mieten auf die Konten von Vermietern überweist.“ Für eine Stadt wie Berlin bedeutet dies beispielsweise Mehrausgaben von monatlich 10,9 Millionen Euro.

In der Bundeshauptstadt sind die Mieten für Hartz-IV-Haushalte zwischen Januar 2015 und März 2021 pro Quadratmeter von 6,04 Euro auf 7,44 Euro gestiegen. Dies entspricht einer Steigerung von 23,3 Prozent. Hätten sich die Erhöhungen an den Inflationszahlen orientiert, könnte der Berliner Senat jährlich 131 Millionen Euro einsparen.