Der Kreml verschärft die Gangart gegen interne Kritiker. Jetzt traf es den russischen Ex-Geheimdienstoffizier und Ultranationalisten Igor Girkin, der nach Angaben seiner Frau in Moskau festgenommen wurde. Girkins Ehefrau Miroslawa Reginskaja schrieb in Onlinemedien, die Festnahme sei wegen „Extremismus“ erfolgt. Beamte des Ermittlungskomitees hätten ihn abgeführt. Über seinen Aufenthaltsort sei ihr nichts bekannt. Girkins Anwalt Alexander Molochow teilte der Nachrichtenagentur AFP mit, er arbeite daran, Zugang zu seinem Mandanten, der unter dem Pseudonym „Igor Strelkow“ firmiert, zu erhalten.
Der 52-jährige Girkin, ein ehemaliger Kommandeur der pro-russischen Separatisten in der sogenannten Volksrepublik Donezk, war eine der Schlüsselfiguren des kremlnahen Aufstands 2014 im ukrainischen Donbass-Gebiet. Gegen ihn liegt ein internationaler Haftbefehl wegen seiner Beteiligung am Abschuss des Passagierflugzeugs MH17 im Jahr 2014 über dem Donbass vor.
Girkin ist scharfer Kritiker der russischen Militärführung
Seit Beginn der russischen Offensive in der Ukraine im Februar 2022 entwickelte sich Girkin zu einem scharfen Kritiker der russischen Militärführung – ähnlich wie der Chef der Söldnergruppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, dessen Rebellion kürzlich scheiterte.
Der militärischen Führung in Moskau warf er Inkompetenz und Korruption vor und forderte ein noch härteres und rücksichtsloseres Vorgehen in der Ukraine. Kritisierte er zunächst vor allem Generalstabschef Waleri Gerassimow und Verteidigungsminister Sergej Schoigu, so richteten sich seine Vorwürfe zuletzt auch zunehmend gegen Präsident Wladimir Putin, dem er Untätigkeit vorwarf.
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Am Dienstag hatte Girkin im Onlinedienst Telegram geschrieben, dass in Russland seit 23 Jahren ein „Versager“ an der Macht sei und dass das Land nicht „weitere sechs Jahre dieses Feiglings an der Macht“ ertragen werde. Den Namen des russischen Präsidenten Wladimir Putin nannte er dabei nicht.
In Russland soll im kommenden Jahr eine Präsidentschaftswahl abgehalten werden. Alle wichtigen Oppositionsvertreter sind entweder im Gefängnis oder im Exil.
Putin droht Polen wegen Truppenverlegung Richtung Belarus
Russlands Staatschef drohte Polen unterdessen wegen der Verlegung von Truppen in Richtung des Nachbarlandes Belarus. Warschau hatte zuvor mitgeteilt, wegen der Präsenz russischer Wagner-Söldner im benachbarten Belarus eine noch unbekannte Zahl eigener Soldaten weiter in den Osten des Landes verlegen zu wollen.
„Belarus ist Teil des Unionsstaates. Und die Entfesselung einer Aggression gegen Belarus würde eine Aggression gegen die Russische Föderation bedeuten. Darauf werden wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln reagieren“, sagte Putin bei einer Sitzung des nationalen Sicherheitsrats.




