Nürnberg - Bei einem Messerangriff in einem ICE sind am Samstag in Bayern drei Menschen schwer verletzt worden. Ein 27 Jahre alter Verdächtiger wurde festgenommen, wie das Polizeipräsidium Oberpfalz in Regensburg mitteilte. Die Hintergründe des Vorfalls waren zunächst unklar. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) äußerte sich bestürzt.

Laut dem Polizeipräsidium wurden die Einsatzkräfte gegen 9 Uhr alarmiert. Nach der Festnahme des verdächtigen Mannes bestehe „aktuell keine Gefahr mehr“. Es handle sich offenbar um einen Einzeltäter. Der Tatverdächtige hat nach Angaben einer Polizeisprecherin die syrische Staatsangehörigkeit.

„Der Hergang und die Hintergründe der Tat sind im Moment noch unklar und sind Gegenstand der Ermittlungen“, erklärte die Polizei am Samstagnachmittag. Die Kriminalpolizeiinspektion Regensburg habe die Ermittlungen vor Ort übernommen und stimme sich eng mit der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth ab. Der Spiegel berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, die Ermittlungsbehörden gingen derzeit nicht von einem terroristischen Anschlag aus.

Ermittler: Mann reiste 2014 von Syrien nach Deutschland ein

Die drei Schwerverletzten wurden in Krankenhäuser gebracht. Sie stammen laut Polizei aus dem Raum Regensburg und dem Raum Passau. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur stammt der Tatverdächtige aus Syrien, reiste 2014 nach Deutschland ein und wohnte zuletzt in Passau. Die Opfer sind drei Männer im Alter von 26, 39 und 60 Jahren, wie es aus Sicherheitskreisen hieß.

Plötzlich sei die Tür des Abteils aufgerissen worden, es habe eine fast panikartige Flucht in den hinteren Bereich des Zuges gegeben, berichtete ein 77 Jahre alter Fahrgast, der zum Zeitpunkt des Angriffs in einem anderen Waggon saß. „Ein Messerstecher! Rennt nach hinten zum Zugende!“, sei gerufen worden. Dann habe er abgewartet, es sei Gott sei Dank aber nichts passiert. Angst habe er nicht gehabt.

Wie Medien berichten, soll sich der Zugführer dem Attentäter entgegengestellt haben. Der ICE mit 200 bis 300 Fahrgästen an Bord hielt an dem kleinen Bahnhof Seubersdorf. Ob der 27-Jährige von anderen Fahrgästen oder von Polizeibeamten überwältigt wurde, konnte der Sprecher zunächst nicht sagen.

Rotes Kreuz muss geschockte Fahrgäste betreuen

Der ICE war auf dem Weg von Passau nach Hamburg gewesen, als sich der Angriff ereignete. Der Zug wurde dann im Bahnhof der Gemeinde Seubersdorf zwischen Nürnberg und Regensburg abgestellt und geräumt. Die Polizei war über Stunden mit einem Großaufgebot vor Ort.   Das Bayerische Rote Kreuz versorgte die drei Schwerverletzten vor Ort und transportierte sie in Kliniken. Zuvor hatten Ärzte, die unter den Fahrgästen waren, im Zug Erste Hilfe geleistet, wie Passagiere berichteten. Die anderen Fahrgäste wurden in ein altes Gasthaus neben dem Bahnhof gebracht. Feuerwehrleute versorgten sie mit Essen und Trinken, ein Kriseninterventionsteam kümmerte sich um sie. „Jeder war irgendwo geschockt. Der eine mehr, der andere weniger“, sagte ein 68 Jahre alter Fahrgast. Nur die wenigsten hätten die Attacke direkt mitbekommen.

Ein 21-jährige Anwohner hat weiterhin ein mulmiges Gefühl: „Es ist schon irgendwie beängstigend, wenn man weiß, dass es so nah passiert ist. Und man fährt ja selber auch mal mit dem Zug in den Urlaub oder zum Flughafen.“

Weil die Lage zunächst völlig unklar war, rückte die Polizei mit einem Großaufgebot an und räumte den Zug. Wenig später konnte sie Entwarnung geben: Es gebe keine Hinweise auf weitere Täter, es bestehe keine Gefahr für die Bevölkerung: „Wir suchen niemanden mehr.“

Die Kripo Regensburg ermittle jetzt in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, sagte Polizeisprecher Beck. Zeugen würden vernommen.

Zugstrecke am Samstagnachmittag immer noch gesperrt

„Die grausame Messerattacke im ICE ist furchtbar“, erklärte Seehofer. „Ich hoffe, dass die Verletzten und diejenigen, die das Geschehen miterleben mussten, schnell und vollständig gesund werden.“ Seehofer dankte insbesondere der Polizei und dem Zugpersonal „für ihren mutigen Einsatz, durch den noch Schlimmeres verhindert werden konnte“.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte: „Die Polizei arbeitet mit Hochdruck daran, die Hintergründe der schrecklichen Tat und die Motivlage des Täters schnellstmöglich aufzuklären.“ Dabei müsse auch geprüft werden, inwieweit psychische Probleme vorlägen.

Die Bahnstrecke Regenburg-Nürnberg war seit dem Vormittag gesperrt. Andere Züge auf der Strecke seien zunächst an geeigneten Bahnhöfen zurückgehalten worden, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn am Mittag. Inzwischen werde der Fernverkehr über Ingolstadt umgeleitet. Für die Fahrgäste bedeute das 30 bis 60 Minuten längere Fahrzeiten. Wann die Strecke wieder freigegeben werde, sei noch offen.