Notversorgung in Verl.
Foto: AP/Martin Meissner

GüterslohDer Gütersloher Bürgermeister Henning Schulz fordert nach dem Corona-Ausbruch in der Fleischfabrik Tönnies mehr Unterstützung aus Berlin im Kampf gegen die Stigmatisierung seiner Bürger.  

„Es ist unerträglich, dass die insgesamt 700.000 Menschen aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf jetzt unter Corona-Generalverdacht gestellt werden. Das nimmt Auswüchse an, die sind unfassbar“, sagte Schulz in einem Interview mit dem Portal t-online. „Der Kanzlerin ist es immer gelungen, die Gesellschaft zusammenzuführen und alle Menschen im Blick zu behalten. Hier fühlen sich fast eine Dreiviertelmillion Menschen im Stich gelassen.“ Die Menschen fühlten sich stigmatisiert und würden sogar angegriffen.

An diesem Freitag starten die Sommerferien im Bundesland Nordrhein-Westfalen - und damit auch in Gütersloh. Doch mehrere Bundesländer lehnen Reisende aus Gütersloh ab. „Im Prinzip ist alles kaputt. Viele bleiben auf ihren gebuchten Reisen hängen“, sagte Schulz.

Eine mögliche Lösung, um trotzdem in den Urlaub zu fahren, wäre der Nachweis eines negativen Corona-Tests. Doch dagegen äußerte Schulz Bedenken: „Es können nicht 360.000 Menschen auf einmal getestet werden. Wenn man dann diesen Negativtest endlich hat, bedeutet er, dass man an diesem Tag nicht infiziert war. Morgen könnte ich aber theoretisch schon infiziert sein.“ Der Bürgermeister warnt vor einer „ganz gefährlichen Diskussion“ und glaubt, dass es „gut wäre, wenn wichtige Menschen sich dazu äußern würden, zum Beispiel die Kanzlerin.“