HamburgBei knapp 2000 Frauen und Mädchen in Deutschland wurde laut einer Studie im Jahr 2019 eine behandlungsbedürftige Genitalverstümmelung diagnostiziert. Das seien fast 40 Prozent mehr als im Jahr 2016, teilte der Verein Taskforce für effektive Prävention von Genitalverstümmelung am Freitag in Hamburg mit. Erstmals habe der Verein eine Umfrage bei den kassenärztlichen Vereinigungen der Bundesländer durchgeführt, um die Anzahl von Patientinnen mit Genitalverstümmelung festzustellen.

Demnach handelte es sich bei fast 200 der diagnostizierten Opfer um minderjährige Mädchen, die Hälfte davon jünger als 12 Jahre. Diese Zahlen beziehen sich laut Verein auf Mädchen und Frauen, die kassenärztlich ambulant betreut wurden. Genitalverstümmelungen, die im Rahmen stationärer Aufenthalte in Krankenhäusern oder bei privatärztlichen Behandlungen festgestellt wurden, seien nicht erfasst.

Über 20.000 Mädchen sind gefährdet

„Was wir anhand dieser Zahlen sehen, ist nur die Spitze des Eisberges und bildet vielleicht zwei bis fünf Prozent der tatsächlichen Verstümmelungsopfer ab, die in unserem Land leben, denn eine lückenlose Datenerhebung ist von den politischen Verantwortlichen nicht gewollt“, sagte Taskforce-Gründerin Ines Laufer.

Nach Schätzungen des Vereins müsse man von mehr als 20.000 gefährdeten Mädchen ausgehen, die aus Hochrisikoländern mit einer Verstümmelungsrate über 75 Prozent stammen, zum Beispiel aus Ägypten, Äthiopien, Eritrea, dem Sudan, Mali und Somalia.

„Wir fordern die Umsetzung staatlicher Schutzmaßnahmen, wie zum Beispiel regelmäßige medizinische Unversehrtheitskontrollen und Einführung einer ärztlichen Meldepflicht an die Strafverfolgungsbehörden, wenn Genitalverstümmelungen an minderjährigen Opfern festgestellt werden“, sagte Laufer.