Immunologe Watzl: Darum könnte Omikron der Weg aus der Pandemie sein

Der Experte erklärte im Fernsehen, wieso die Impfdurchbrüche bei Omikron von Vorteil sein könnten und wie der endemischen Zustand aussehen könnte.

Professor Dr. Carsten Watzl ist Immunologe an der TU Dortmund 
Professor Dr. Carsten Watzl ist Immunologe an der TU Dortmund dpa/Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

Berlin-In der ersten Lanz-Talkrunde des Jahres kündigt Gastgeber Markus Lanz den Immunologen Carsten Watzl so an: Zwar seien Epidemiologie und Modelle nicht so sein Ding, wie Watzl von sich selbst sage. Aber was Omikron macht, wie dieses neue Virus die Impfung austrickst dazu könne Watzl etwas sagen, – das sei „sein Thema“. Watzl schilderte in der Sendung, wo Corona-Deutschland steht und was die Aussichten sind.

„Die Omikron-Welle kommt jetzt“, sagt Watzl. „Die Fallzahlen gehen jetzt steil nach oben.“ Doch Omikron könnte sich als Ausweg aus der Pandemie erweisen, so der Experte.

Aus aktuellen Daten sei ablesbar, dass die Krankheitsverläufe – gemessen an den hohen Fallzahlen – eher leicht ausfallen. Omikron sei, in Zahlen ausgedrückt, „60 bis 70 Prozent harmloser“. Verglichen mit Delta lande nach einer Omikron-Infektion nur etwa die Hälfte der Infizierten im Krankenhaus, so Watzl. Das liege daran, dass Omikron dem Immunschutz durch die Impfungen entgehe und somit auch Geimpfte erkranken, diese aber durch die Impfungen vor einem schweren Verlauf geschützt seien.

Watzl über Endemie: Inzidenzen jenseits der 2000 normal

Omikron führe dazu, dass sich mehr Menschen infizieren.„ Alle kriegen es“, so Watzl, „Omikron hat eine freie Spielwiese“. „Aber wenn sich die Geimpften und vor allem die Geboosterten infizieren, haben sie in den meisten Fällen keinen schweren Verlauf. Und deshalb tun die Impfstoffe das, was sie tun sollen: Sie schützen vor den schweren Verläufen“, erklärt der Immunologe. Die Frage sei, ob man die Impflücke durch Omikron geschlossen bekomme. Er glaube das nicht, so der Mediziner, „aber Omikron wird natürlich dazu beitragen, das muss man ganz klar sagen“.

Eine hohe Immunität in der Bevölkerung, ob durch Geimpfte oder Genesene, mache den Unterschied aus zwischen Pandemie und Endemie. Auch im endemischen Status sei das Virus nicht einfach beseitigt, im Gegenteil: Es ist weiterhin da. Bei einer Endemie seien aber keine Schutzmaßnahmen, keine massiven Einschränkungen mehr erforderlich. Watzl beschreibt das Szenario so: Inzidenzen die jenseits der 2000 liegen können, wären dann nicht mehr gefährlich, würden nicht mehr ins Gewicht fallen. Menschen infizieren sich, merken jedoch davon kaum etwas, „wie bei der Influenza“. Würden die Influenza-Zahlen im Winter mal gemessen werden, wären sie erschreckend hoch.