Berlin - Der Immunologe Carsten Watzl rechnet damit, dass die ansteckendere Delta-Variante des Coronavirus noch im Juli die vorherrschende Mutante in Deutschland sein wird. Aktuell dürften 30 Prozent der Neuinfektionen auf die Delta-Variante zurückzuführen sein, sagte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie am Montag im ZDF. Im Juli dürfte seiner Ansicht nach die 50-Prozent-Marke überschritten werden. Das Gute sei, dass sich dies auf sehr niedrigem Niveau abspiele.

Watzl riet aktuell nicht dazu, den Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfungen zu verkürzen. Derzeit gebe es noch nicht genügend Impfstoff. Er plädierte dafür, die empfohlenen Abstände beizubehalten und möglichst viele Erstimpfungen zu verabreichen. Wenn das derzeitige Tempo der Impfkampagne beibehalten werde, dürften im September auch sämtliche Zweitimpfungen verabreicht worden sein. Wenn mehr Impfstoff geliefert werde, gehe das auch schneller.

Immunologe Watzl rät Eltern Impfung für Kinder zu erwägen

Der Immunologe geht davon aus, dass bei Älteren ab September besonders in Pflegeheimen Auffrischungsimpfungen anstehen. Viele Ältere seien sehr früh geimpft worden, auch wirke bei ihnen der Impfstoff nicht ganz so gut wie bei Jüngeren. Mit der Delta-Variante würden sich aber auch Kinder infizieren, wenn auch mit einem geringeren Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf.

Es werde im Herbst in Schulen und Betreuungseinrichtungen zu Ausbrüchen kommen, erwartet Watzl. Dagegen komme man mit Impfungen oder Frischluftkonzepten an. „Überlegen sie es sich, ob sie ihre Kinder nicht doch impfen lassen wollen“, riet der Immunologe den Eltern.

Kalayci: Delta-Variante wird sich auch in Berlin rasch verbreiten

Am Freitag hatte auch Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci verlautbaren lassen, sie rechne schon bald mit deutlich mehr Fällen der ansteckenderen Delta-Variante in Berlin. „Ich gehe davon aus, dass sich die #DeltaVariante auch in #Berlin rasch verbreitet und vor allem Kinder und Jugendliche davon betroffen sind“, teilte die SPD-Politikerin am Freitag auf Twitter mit. „Daher mein Appell an alle, aber insbesondere Kontaktpersonen von Kindern und Jugendlichen, sich #impfen zu lassen.“

Laut der Gesundheitsverwaltung lässt sich auf Grundlage der aktuellen Daten der Berliner Labore ein ansteigender Trend beim Anteil der Delta-Variante beobachten. Er liegt derzeit den Angaben zufolge bei 4,9 Prozent. Gesundheitssenatorin Kalayci hatte bereits am vergangenen Freitag angesichts des Risikos durch die Delta-Variante gemahnt, die Berlinerinnen und Berliner müssten vorsichtig bleiben.