Eine Gruppe von Corona-Impfgegnern ist in Costa Rica gewaltsam in ein Krankenhaus eingedrungen, um einen ungeimpften sechsjährigen Jungen herauszuholen. Nach Angaben der Leiterin des Krankenhauses in Heredia, Priscilla Balmaceda, überfielen rund 30 mutmaßliche radikale Impfgegner am Mittwoch Sicherheitsbeamte, Patienten und medizinisches Personal und versuchten, den Jungen mitzunehmen. Dessen Eltern hatten sich einer Impfung ihres Sohnes widersetzt.

Der Junge war einige Tage zuvor wegen einer Atemwegserkrankung in das Krankenhaus eingeliefert worden und sollte auf Empfehlung der Ärzte geimpft werden. Wenige Minuten nach einem „respektvollen Gespräch“ mit dem Vater, einem Rechtsberater, in dem es darum gegangen sei, dass der Sozialdienst sein grünes Licht für die Entlassung des Kindes geben müsse, hätten die Impfgegner das Krankenhaus gestürmt, berichtete Balmaceda.

Krankenhaus musste geräumt werden

Das Krankenhaus musste geräumt werden, Sprechstunden und Labortermine wurden ausgesetzt und die Apotheke vor Ort geschlossen. Nach dem Vorfall müssen sich sechs Männer und Frauen vor Gericht verantworten. Die costaricanische Sozialversicherung will nach dem gut dokumentierten Sturm alle Beteiligten anzeigen. Der kleine Patient soll aus dem Krankenhaus entlassen werden, sobald Kinderabteilung und Sozialdienst dies genehmigt haben.

In Costa Rica ist die Impfung von Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren seit November Pflicht. Sind Eltern oder Erziehungsberechtigte gegen die Impfung, kann die staatliche Kinderschutzbehörde (Pani) eingreifen. Diese Impfpflicht für kleine Kinder hatte in den vergangenen Wochen immer wieder zu Kundgebungen vor dem Parlament geführt.