München - Bayerns stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger (Freie Wähler) steht im Streit um seine impfkritischen Äußerungen weiter unter Druck seines Koalitionspartners CSU. Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) nannte Aiwangers Aussagen am Montag im ARD-Morgenmagazin „fatal“. Aiwanger fürchtet trotz Streits nach eigenen Worten aber keinen Bruch der Koalition mit der CSU.

Holetschek verwies im „Morgenmagazin“ auf die herausgehobene Position Aiwangers durch sein politisches Amt und die dadurch starke öffentliche Wahrnehmung. „Da wünsche ich mir schon, dass man sich manchmal gut überlegt, was man sagt und was man nicht sagt.“ Aiwanger, der auch bayerischer Wirtschaftsminister ist, konterkariere alle Bemühungen der Landesregierung in der Impfkampagne, so Holetschek. Das von der Bevölkerungszahl zweitgrößte Bundesland Bayern liegt hier im Vergleich der Bundesländer zurück.

So waren Stand Montag bei den Erstimpfungen in Bayern 59,5 Prozent der Bevölkerung geimpft, im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen aber 61,5 Prozent und im Bundesdurchschnitt 61,7 Prozent. Vollständig geimpft sind in Bayern erst 50,3 Prozent.

Aiwanger lässt sich wegen „massiver Nebenwirkungen“ nicht impfen

Der Vorsitzende der Freien Wähler weigert sich trotz öffentlichen Drucks der CSU, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Zuletzt begründete er dies mit Berichten über massive Nebenwirkungen auch in seinem Bekanntenkreis, ohne dies näher auszuführen.

Der Passauer Neuen Presse und dem Donaukurier vom Montag sagte Aiwanger, er befürchte trotz des Streits nicht, dass die CSU die Koalition beende. „Da würde sich die CSU bis ins Mark selbst beschädigen – die dürfen froh sein, dass sie mit den Freien Wählern einen so anständigen und ehrlichen Koalitionspartner haben.“

Aiwanger: Deutschland sollten „die Grünen in der Regierung erspart bleiben“

Der als Spitzenkandidat der Freien Wähler für die Bundestagswahl aufgestellte Aiwanger will nun aber auch mit einer Zweitstimmenkampagne gegen die CSU bei der Bundestagswahl punkten. „Eigentlich müsste die CSU eine Zweitstimmenkampagne für die Freien Wähler zur Bundestagswahl fahren, damit ihnen und dem Land auch in Berlin die Grünen in der Regierung erspart bleiben“, sagte er beiden Zeitungen.

Aiwanger empfahl seinem bayerischen Koalitionspartner, im Bund darauf zu bauen, dass die CSU-Direktkandidaten ohnehin per Erststimme in den Bundestag kommen: „also mit der Zweitstimme Freie Wähler – dann kommen auch die rein, und wir können in Berlin gemeinsam für Bayern und Deutschland arbeiten.“