Berlin - SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil hat seine Kritik an der Corona-Impfstrategie von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bekräftigt. Deutschland stehe „viel schlechter da als andere Länder“, beklagte Klingbeil am Montag im ARD-„Morgenmagazin“. Es sei zu wenig Impfstoff bestellt worden und gebe „kaum vorbereitete Strategien mit den Bundesländern zusammen“. Klingbeil forderte eine „nationale Kraftanstrengung“ zur weiteren Impfstoffdosen-Sicherung.

Klingbeil betonte, die gemeinsame Beschaffung des Corona-Impfstoffs auf EU-Ebene sei richtig gewesen. „Aber Europa muss ja nicht automatisch langsamer bedeuten“, kritisierte er.

Der SPD-Generalsekretär verwies auf Äußerungen des Biontech-Chefs Ugur Sahin, wonach sein Unternehmen der EU-Kommission mehr Impfstoffdosen angeboten habe. Dies sei jedoch abgelehnt worden, „weil die Osteuropäer skeptisch sind und die Franzosen das nicht wollten“, sagte Klingbeil.

Klingbeil: Prüfen, ob Kooperationsverträge möglich sind

Der SPD-Politiker beklagte, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Spahn keine bilateralen Verträge mit Biontech abgeschlossen hätten, obwohl bereits im November klar gewesen sei, „dass das ein guter Impfstoff ist“. „Es kann nicht sein, dass ein Land, in dem dieser Impfstoff sogar erforscht wurde“, am Ende zu wenige Dosen habe, sagte Klingbeil weiter.

Er erwarte, dass die Bundesregierung „jetzt alle Pharmaunternehmen an einen Tisch“ hole und prüfe, wie Kooperationsverträge aussehen und weitere Impfstoffdosen produziert werden könnten. Dies werde am Geld nicht scheitern, betonte Klingbeil. „Momentan kostet uns der Lockdown pro Woche knapp vier Milliarden Euro. Das Geld würde ich lieber in die Produktion von Impfstoffen, auch national, stecken, als weiter in einen Wirtschaftslockdown.“