„Indianer“-Zeile geändert: Diether Dehm zeigt Florian Silbereisen an

Weil Silbereisen das Wort „Indianer“ nicht sang, hat der Musikproduzent und Ex-Bundestagsabgeordnete Strafanzeige erstattet. Die Textänderung sei politisch motiviert.

Der Ex-Linken-Abgeordnete Diether Dehm hat Strafanzeige gegen Schlagersänger Florian Silbereisen gestellt.
Der Ex-Linken-Abgeordnete Diether Dehm hat Strafanzeige gegen Schlagersänger Florian Silbereisen gestellt.dpa/Gateau/Schackow

Nach einer Strafanzeige gegen Schlagersänger und TV-Persona Florian Silbereisen hat die Staatsanwaltschaft Fulda ein Ermittlungsverfahren wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Urheberrecht eingeleitet. Die Anzeige hatte der Musikproduzent und ehemalige Bundestagsabgeordnete Diether Dehm gestellt. Silbereisen hatte aus einem bekannten Lied des umstrittenen Politikers das Wort „Indianer“ gestrichen – Dehm zufolge eine „schikanöse Verschandelung von Sprache“, wie der 72-Jährige der Fuldaer Zeitung sagte.

Hintergrund war Silbereisens Auftritt als Gastgeber in einer Mitte Januar im MDR ausgestrahlten Abschiedsshow für Schlagersänger Jürgen Drews. Bei dem TV-Spektakel mit dem Titel „Zum allerletzten Mal: Der große Schlagerabschied“ performte Silbereisen unter anderem den Song „1000 und 1 Nacht (Zoom!)“, den Dehm 1984 gemeinsam mit Sänger Klaus Lage geschrieben hatte. Aus der Originalzeile „Erinnerst du dich, wir haben Indianer gespielt“ wurde in der Show „Erinnerst du dich, wir haben zusammen gespielt“.

Diether Dehm: „Mitschuld der ARD überprüfen“

Dehm hatte nach der Ausstrahlung öffentlich verkündet, Anzeige gegen Silbereisen erstatten zu wollen. Der MDR teilte der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit: „Die von Ihnen angesprochene vermeintliche Strafanzeige ist uns nicht bekannt. Daher werden wir uns dazu nicht äußern.“ Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Fulda bestätigte hingegen den Eingang der Anzeige. Demnach enthalte sie auch „die Bitte um Prüfung einer Mitschuld der ARD“.

Die Staatsanwaltschaft prüfe nun auch die Zuständigkeit. Möglich sei etwa, dass das Verfahren an den Austragungsort der Sendung weitergeleitet werde, so die Sprecherin. Bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens gilt die Unschuldsvermutung.

Gegenüber der Fuldaer Zeitung sagte Dehm, gegen den derzeit ein Ausschlussverfahren aus der Linkspartei läuft: „Ich will denen auch klarmachen, dass selbst ein deutscher Schlagerstar an der Seite der Gedankenfreiheit zu stehen hat.“ Er gehe davon aus, dass es politische Gründe hatte, dass das Wort „Indianer“ aus der Sendung gestrichen wurde. Dies sei Teil eines „Angst-Krampfs“, eines paternalistischen Versuchs, die Sprache zu „verhunzen“. 

Linke: Partei-Ausschluss Dehms beantragt

Kritiker und viele Indigene selbst lehnen den Begriff „Indianer“ ab, weil er in Verbindung zur europäischen Kolonialgeschichte und den – auch von Deutschen – verübten Verbrechen an der indigenen Bevölkerung Nordamerikas steht. Darüber hinaus vermittele der Begriff ein stereotypes Bild, das kaum der Realität entspräche und vor allem von europäischen Schriftstellern wie Karl May geprägt wurde. Eine hitzige Debatte um dessen „Winnetou“-Romane, beziehungsweise deren Verfilmungen, war erst vor einigen Monaten öffentlichkeitswirksam durch Medien und Politik gegangen.

Dieter Dehm ist derweil selbst in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder mit kontroversen Äußerungen aufgefallen. Den ehemaligen Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) bezeichnete er als „Nato-Strichjungen“, im Antrag der Linken auf Parteiausschluss wird er mit den Worten „Die größte Verbrecherorganisation nach der SS war die Nato“ zitiert. Der 72-Jährige sieht das Ausschlussverfahren offenbar gelassen: „Da werden nur von Scheinriesen stumpfe Schwerter geschwungen, ohne dass jemand mehr groß den Kopf einzieht.“