Joyce Echaquan filmte sich vor ihrem eigenen Tod noch selbst. Kanadische Medien veröffentlichten das Skandal-Video nun.
Foto: YouTube/Screenshot/CBC News: The National

QuébecDie mutmaßlich beleidigende Behandlung einer Atikamekw-Ureinwohnerin in einem Krankenhaus der kanadischen Provinz Québec hat dort eine Debatte über systemischen Rassismus befeuert. Die 37-jährige Frau von der Stammesgruppe der Atikamekw war am Sonnabend mit starken Bauchschmerzen in das Krankenhaus von Joliette nördlich von Montréal gekommen und zwei Tage später gestorben. Der kanadische Nachrichtensender CBC hatte den Vorfall öffentlich gemacht.

Auf dem von Joyce Echaquan selbst per Handy gefilmten Video ist zu sehen, wie die siebenfache Mutter auf einem Krankenbett liegt und offenbar vor Schmerzen schreiend um Hilfe ruft. Die Kommentare des Personals sind in Untertiteln zu lesen. Eine Krankenschwester sagte der Frau demnach unter anderem, sie sei „verdammt dumm“. Eine der beteiligten Pflegerinnen wurde dem Bericht zufolge bereits entlassen.

Québecs Premier Legault bezeichnete die Bemerkungen des Personals als „inakzeptabel und rassistisch“, berichtet der kanadische Sender CBC weiter. Er stritt auf einer Pressekonferenz auf eine entsprechende Frage hin jedoch ab, dass dieser Fall ein Hinweis auf systemischen Rassismus in Québec sei.

„Ich glaube wirklich nicht, dass wir diese Art von Behandlung der Ureinwohner (First Nation People) in unseren Krankenhäusern in Québec haben“, sagte er in einem auf der CBC-Webseite veröffentlichten Videoausschnitt. Er räumte jedoch ein, dass es einen gewissen Rassismus in Québec gebe. „Wir arbeiten daran“, fügte er hinzu.

Im Sommer hatte er ein Anti-Rassismus-Komitee einberufen. Der britische Sender BBC berichtete, dieser Fall sei der jüngste einer Serie, die Fragen über systemischen Rassismus gegen Kanadas Ureinwohner aufwerfe.