BerlinWeil sich Bundesgesundheitsminister mit Corona infiziert hat, sollen nun alle Teilnehmer der fraglichen Kabinettssitzung am Mittwoch im Kanzleramt auf Covid-19 getestet werden. Das berichtet die Bild-Zeitung. Familienministerin und SPD-Politikerin Franziska Giffey war bereits mit einem Schnelltest am späten Mittwochnachmittag negativ getestet worden. Ein weiterer Schnelltest sollte noch folgen. Giffey hatte am Freitag bei einer Pressekonferenz sehr lange mit Spahn zusammen auf dem Podium gesessen.

Das Kabinett als Ganzes soll nach derzeitigem Stand aber nicht in Quarantäne gehen müssen. Das Hygiene-Konzept im Saal sei besonders optimiert, solle Ansteckungen verhindern und sei vom Gesundheitsamt Berlin-Mitte fachlich überprüft worden, sagte ein Regierungssprecher. Das Konzept diene dazu, dass „auch bei Anwesenheit einer infizierten Person eine Quarantäne anderer oder gar aller Teilnehmer nicht erforderlich“ werde. Bei der Sitzung abwesend waren die Minister Heiko Maas, Hubertus Heil und Julia Klöckner.

Auch nach Meinung des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach ist eine Quarantäne des Kabinetts unnötig. „Die Abstände wurden dort gewährleistet. Es ist tatsächlich so, dass in der jetzigen Situation ein solcher Kontakt auf Abstand nicht automatisch zur Quarantäne führt, wenn die Zeiten nicht zu lang sind. Und ich gehe davon aus, dass die entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen beobachtet worden sind“, sagte Lauterbach nach Bekanntwerden von Spahns Infektion.

Bislang ist völlig unklar, wann und wo sich Jens Spahn infiziert haben könnte. In diesem Zusammenhang stellt sich für den Berliner Abgeordneten Marcel Luthe die Frage „nach dem Sinn der derzeit geltenden Maßnahmen“. Luthe sagte der Berliner Zeitung am Donnerstag: „Niemand, der Jens Spahn ein wenig kennt, wird Zweifel daran haben, dass er sich an alle Bestimmungen der Corona-Verordnungen gehalten und das auch in seinem Umfeld durchgesetzt hat“, sagte Luthe der Berliner Zeitung.

Und weiter: „Und gerade das macht mir Sorgen: wenn diese Maßnahmen helfen, wie kann er sich dann angesteckt haben? Und wenn sie nicht helfen, sind manche vielleicht gar einer Ansteckung förderlich? Es wird Zeit, diese Fragen offen und transparent zu diskutieren“. Lauterbach teilte mit: „Das kann jedem von uns heute passieren. Ich weiß, wie vorsichtig er selbst immer war. Das zeigt nur, wie hoch das Infektionsrisiko heute für jeden ist“.

Der FDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff kritisierte die am Mittwoch stattgefunden Kabinettssitzung: „So ein physisches Treffen mitten in Berlin, in so einer Zeit, mit so vielen Menschen mit so vielen Kontakten ist in meinen Augen ein riskantes Unterfangen“, sagte er der Bild. Er forderte in diesem Zusammenhang eine regelmäßige Testung der Kabinettsmitglieder.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte in Bezug auf regelmäßige Tests von Politikern bereits bei ihrer Sommerpressekonferenz gesagt, sie halte sich an die Abstandsregeln und Vorschriften und werde deshalb nicht permanent getestet.

Spahn, der als Gesundheitsminister in der Pandemie eine zentrale Rolle spielt, hat sich als erstes Mitglied des Bundeskabinetts angesteckt. Sein Ministerium teilte mit, er habe am Mittwochnachmittag Erkältungssymptome bekommen, sich direkt testen lassen und dann nach dem positiven Ergebnis umgehend zuhause isoliert.