Treponema pallidum, der Erreger der Syphilis, ist bis heute nicht im Labor kultivierbar.
Foto: PD Dr. Annette Moter/Charité-Uni

BerlinIm ersten Halbjahr 2020 ist die Zahl der Syphilis-Infektionen in der Hauptstadt angestiegen. Von Januar bis Juli registrierte das Robert-Koch-Institut demnach 690 Infektionen. Im Vorjahreszeitraum waren es 651. Nach Einschätzung des Berliner Arztes Sven Schellberg könnte der Anstieg an einem wegen der Corona-Krise veränderten Sexualverhalten der Menschen in Berlin liegen.

„Während der Corona-Zeit hat die Zahl der Erkrankungen zugenommen, für die man etwas längere Kontakte braucht“, sagte Schellberg im Rahmen des Welttages Sexuelle Gesundheit am 4. September. „Die Leute treffen sich nicht mehr zu Quickies, sondern eher im kleinen Kreis von fünf bis zehn Personen und verbringen mehrere Stunden zusammen.“ Längere Sexualkontakte begünstigten demnach die Übertragung der Syphilis.

In seiner Praxis, die auf sexuelle Gesundheit spezialisiert ist, habe er einen Syphilis-Anstieg um etwa 30 Prozent beobachtet. Bundesweit wurde nach Angaben des RKI hingegen ein gegenläufiger Trend beobachtet: Hier gab es von Januar bis Juli einen Rückgang mit Syphilis-Infektionen. Die Zahl sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von rund 3400 auf etwa 3200 Infektionen.