Studie: Gefühlte Inflation bei 34 Prozent

Für Verbraucher fühlt sich die Teuerungsrate in Deutschland dreimal höher als die tatsächlich existierende Inflation an. Das ist gefährlich. 

Eine Frau mit Bargeld.
Eine Frau mit Bargeld.dpa

Verbraucher empfinden die aktuellen Preissteigerungen als viel höher als die Inflationsrate tatsächlich ist. Im Durchschnitt liegt bei den Befragten die gefühlte Einschätzung der Preissteigerungen bei 34,2 Prozent. Das zeigt eine aktuelle Studie der „IU Internationale Hochschule“. Tatsächlich gestiegen ist die Inflation im September aber auf „nur“ zehn Prozent. Bei den Frauen liegt der Durchschnitt der gefühlt deutlich höheren Teuerungsrate mit 39,3 Prozent noch höher.

Was ist der Grund für die große Differenz zwischen offiziell gemessener und individuell wahrgenommener Inflation? „Wir nehmen Inflation immer dort wahr, wo wir Konsumausgaben haben“, sagt Johannes Treu, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der IU, der Welt. Den Menschen interessiere es, was er täglich zahlen muss, um seine Grundbedürfnisse zu erfüllen. Der Ökonom weiter: „Wenn wir jedes Mal beim Einkaufen merken, dass der Warenkorb teurer wird, neigen wir dazu, die reale Steigerung im Gesamten zu überzeichnen.“

Explodierende Preise für Sprit, Lebensmittel, Strom oder Gas

Für die offizielle Statistik werden die Preise in einem definierten und über längere Zeit unveränderten Warenkorb ausgewertet. Darin enthalten sind verschiedene repräsentative Güter sowie Dienstleistungen - auch solche, die man individuell womöglich nur selten oder auch nie kauft oder konsumiert. Die derzeit explodierenden Preise für Sprit, Lebensmittel, Strom oder Gas hingegen spürt nahezu jeder Verbraucher.

Vier von fünf Befragten der Studien sehen zudem kein Ende bei den Preissteigerungen. Demnach erwarten 86 Prozent der Frauen und 79 Prozent der Männer, dass die Preise für Waren und Dienstleistungen im Oktober „viel höher“ oder „höher“ liegen als noch im September.

Gefühlte Inflation könnte Preise weiter in die Höhe treiben

Tatsächlich, so Wirtschaftsexperte Treu zur Welt, könne die gefühlte die tatsächliche Inflation in die Höhe treiben. Treu erläutert: „Wenn ich das Gefühl habe, die Inflation ist hoch, erwarte ich automatisch, dass es noch teurer wird.“ Als Konsequenz der bereits vorhandenen Erwartungen könnten Unternehmen die Preise dann tatsächlich weiter erhöhen.

Insgesamt machen sich 91,9 Prozent der Befragten etwas oder sogar große Sorgen wegen der aktuellen Inflation. Bei den Frauen sind es 60,8 Prozent, bei den Männern 48,4 Prozent. Die IU wollte von den Befragten in diesem Zusammenhang auch wissen, an welchen Stellen sie aktuell sparen. Vier von fünf Befragten schränken sich demnach bei den Energiekosten ein, etwa ein Viertel beim Kauf neuer Haushaltsgegenstände sowie bei Reisen. In der Studie heißt es weiter: „Am wenigsten gespart wird bei Alkohol, Bildung und Medien.“

Die gesamte Studie im Original finden Sie hier.