Washington - Wegen möglicher technischer Probleme hat die US-Raumfahrtbehörde Nasa den für Sonntag geplanten ersten Hubschrauberflug auf dem Mars verschoben. Ein Rotorentest des Mars-Hubschraubers „Ingenuity“ bei hoher Geschwindigkeit sei wegen Hinweisen auf mögliche Probleme vorzeitig abgebrochen worden, erklärte die Nasa am Samstag (Ortszeit). Die Wissenschaftler seien dabei, die Daten auszuwerten, anschließend solle der Test wiederholt werden. Der geplante Flug könne daher frühestens am kommenden Mittwoch stattfinden.

Ursprünglich hätte „Ingenuity“ am Sonntag zum ersten kontrollierten Hubschrauberflug der Geschichte über einem fremden Planeten aufsteigen sollen. Das 1,8 Kilogramm leichte Fluggerät soll senkrecht in die Höhe steigen und ein Foto vom Lande-Rover „Perseverance“ schießen, mit dem es Mitte Februar auf dem Mars gelandet war.

Nasa plant fünf Flüge mit „Ingenuity“

Das Flug-Experiment gilt als äußerst schwierig. Insgesamt sind fünf Hubschrauberflüge im Verlauf eines Monats geplant, dabei soll der Helikopter sich auch horizontal über den Planeten bewegen. Fluggeräte wie „Ingenuity“ könnten die Erforschung des Weltraums revolutionieren, weil mit ihnen mehr Gebiete und auch wegen ihrer Oberflächenstruktur schwer befahrbare Zonen fremder Himmelskörper erkundet werden könnten.

Das sind die Herausforderungen für „Ingenuity“

Die Kälte

Bis vor wenigen Tagen wurde „Ingenuity“ durch den Rover „Perseverance“ auf dem Mars geschützt. Eingebaute Heizungen verhinderten bei Nächten mit minus 90 Grad, das Elektronik an Bord zerstört wird. „Während es eine große Herausforderung sein wird, auf der Marsoberfläche ausgesetzt zu werden, wird es eine noch größere Herausforderung sein, die erste Nacht auf dem Mars allein zu überleben, ohne dass der Rover ihn schützt und mit Strom versorgt“, sagte Chefingenieur Bob Balaram. Diese Hürde hat die kleine Maschine bereits gemeistert.

Die richtige Position

Weil der nächste Mensch, der „Ingenuity“ in der Mitte seines zehn mal zehn Meter großen Startplatzes aufstellen könnte, derzeit rund 250 Millionen Kilometer weit weg ist, musste der Mini-Hubschrauber sich aufwendig selbst in Stellung bringen. Nachdem er vom Rover abgesetzt wurde, begann ein Prozess über mehrere Tage, bei dem „Ingenuity“ vom Fahrzeug abgedockt und mit dessen Greifarm auf seine vier Beine gestellt wurde.

Dünne Atmosphäre

Bei guten Wetterbedingungen wollte das Nasa-Team die Erlaubnis zum Start geben. Die Rotoren sollten dann auf 2537 Umdrehungen pro Minute beschleunigen und „Ingenuity“ planmäßig zu seinem historischen Jungfernflug abheben. Der Plan: Er steigt dabei drei Meter in die Höhe, bleibt dort für 30 Sekunden in der Luft stehen und landet nach insgesamt etwa 40 Sekunden wieder. Weitere, waghalsigere Flüge sollen folgen.

Die Rotorblätter müssen bei Mars-Flügen um ein Vielfaches schneller kreisen als auf der Erde. Denn obwohl die Anziehungskraft des Mars nur etwa ein Drittel so stark ist wie die der Erde, beträgt die Dichte der Atmosphäre auf der Oberfläche im Vergleich nur ein Prozent. Die Energie für diese Kraftanstrengung zieht „Ingenuity“ aus seiner über Solarzellen gefütterten Batterie.

Eigentlich waren die letzten Tests, „Ingenuity“-Projektmanagerin MiMi Aung zufolge, auch zur Zufriedenheit der Nasa verlaufen: „Wir haben das Energieprofil von ‚Ingenuity‘ überprüft: sehr gesund, sehr gut.“ Die Sensoren und Computer des Helis seien eingeschaltet und liefen einwandfrei, die Rotorblätter seien auch ausgefahren und sogar schon in Betrieb gegangen: „Wir haben einen Rotortest mit niedriger Drehzahl bei 50 Umdrehungen pro Minute abgeschlossen.“