Berlin - Sprachliche Barrieren führen offenbar dazu, dass die Corona-Schutzregeln nicht in allen Teilen der Bevölkerung gleichermaßen verstanden und eingehalten werden. Dies geht aus einem Bericht der Bild-Zeitung hervor. Demnach gebe es unter den schweren Corona-Fällen auf den Intensivstationen der Krankenhäuser einen sehr hohen Anteil an Patienten mit Migrationshintergrund. Die Bild-Zeitung verweist auf ein Gespräch zwischen Lothar Wieler, dem Präsidenten des Robert-Koch-Instituts (RKI), und Chefärzten vom 14. Februar dieses Jahres. Demnach werde das Thema in der Bundesregierung angeblich als Tabu empfunden. Es gebe Angst vor einer Rassismus-Debatte, so der Bericht weiter.

Die Bild-Zeitung zitiert in diesem Zusammenhang den Leiter der Lungenklinik Moers, Thomas Voshaar. Der Mediziner habe unter Verweis auf Erhebungen vom November und Dezember 2020 sowie von Anfang Januar 2021 gesagt: „Diese zeigen sehr deutlich, dass es offensichtlich eine Gruppe gibt, die die Politik mit Corona-Warnungen überhaupt nicht erreicht. Das sind Menschen mit Migrationshintergrund.“ Nach seiner Kenntnis „hatten immer über 90 Prozent der intubierten, schwerst kranken Patienten einen Migrationshintergrund“. Man habe sich intern darauf geeinigt, „dass wir solche Kranke als ‚Patienten mit Kommunikationsbarriere‘ bezeichnen wollen“.

Wieler: Müssen über Imame auf diese Religionsgruppe zugehen

In dem Bild-Bericht wird darüber hinaus RKI-Chef Lothar Wieler mit den Worten zitiert: „Ich habe das genauso gehört. Aber es ist ein Tabu. Ich habe versucht, auf bestimmte Menschen zuzugehen. Wir müssen über Imame auf diese Religionsgruppe eingehen. Das Ganze hat für Berlin riesige Auswirkungen. Das ist ein echtes Problem.“ Seine Aussagen wolle Wieler allerdings nicht als abschließende Feststellungen verstanden wissen. Es habe sich nicht um ein öffentliches Expertengespräch, sondern um einen persönlichen, informellen Austausch gehandelt.