Paris - Einen Kaffee mit Freunden und ein guter Film im Kino – Deutschlands Nachbarländer Frankreich und Österreich genießen ein Stück zurückgewonnene Freiheit. Nach mehr als einem halben Jahr Corona-Lockdown dürfen in beiden Ländern Cafés und Restaurants wieder Gäste empfangen. In Frankreich gilt dies zunächst nur für die Außenbereiche, in Österreich sind auch Innenräume von Lokalen sowie Hotels unter Auflagen wieder geöffnet. Außerdem dürfen in beiden Ländern Kultureinrichtungen ihren Betrieb wieder aufnehmen.

Für die Außenbereiche von Frankreichs Lokalen ist eine Auslastung von maximal 50 Prozent vorgeschrieben, maximal sechs Menschen sollen zusammen an einem Tisch sitzen. Am 9. Juni sollen dann auch wieder die Innenräume der Gastronomie geöffnet werden.

„Ich hatte schon drei Gäste, die bei mir ihren Kaffee getrunken haben, das fühlt sich gut an“, sagte Pascal, der eine Brasserie im Pariser Viertel Montmartre betreibt. Auch Staatschef Emmanuel Macron ging am Morgen erst einmal öffentlichkeitswirksam mit Premierminister Jean Castex einen Kaffee trinken.

„Heute lebe ich wirklich wieder auf“, kommentierte die 53-jährige Sylvie Champalle in Lyon die Öffnungen. Mit den Öffnungen kehre wieder „echtes Leben“ in die Hauptstadt ein, sagte die Pariserin Amélie. Sie freue sich schon auf Treffen mit ihren Freundinnen in den Cafés und Bars. Allerdings sind Gastronomen auch besorgt, ob sich das Geschäft angesichts einer begrenzten Auslastung und der durchwachsenen Wetteraussichten rechnet.

Kaufhäuser, Museen und Kinos in Frankreich offen

Auch „nicht essenzielle“ Geschäfte und Kaufhäuser ebenso wie Museen, Kinos und Theater öffneten in Frankreich wieder – mit Maskenpflicht und Obergrenzen für die Besucherzahlen. Vor Pariser Kinos bildeten sich schon am Vormittag Schlangen. Bei der Öffnung des Louvre brach unter den ersten Besuchern Applaus aus. Die nächtliche Ausgangssperre gilt in ganz Frankreich nun erst ab 21 Uhr und damit zwei Stunden später als bisher.

In Österreich dürfen seit Mittwoch nicht nur die Außenbereiche, sondern auch die Innenbereiche von Cafés, Bars und Restaurants wieder besucht werden – dort ist allerdings nur eine geringere Auslastung erlaubt.

„Es fühlt sich seltsam an nach so vielen Monaten“, sagte der 46-jährige Versicherungsmakler Christoph Neubauer über seinen Besuch im Wiener Café Central. Andrea Winkler, Betreiberin des Café Mozart, sagte, wirtschaftlich rechne sich der eingeschränkte Betrieb nicht – aber immerhin könnten sie und ihre Mitarbeiter nun endlich wieder etwas tun.

Österreich: Hotelübernachtungen mit Test oder Impfnachweis erlaubt

Auch Übernachtungen in Hotels und der Besuch von Kulturveranstaltungen sind in Österreich wieder möglich. Anders als in Frankreich ist für den Besuch von Lokalen, Hotels und Kulturveranstaltungen ein negativer Corona-Test, ein vollständiger Corona-Impfschutz oder eine überstandene Infektion Voraussetzung. In Museen ist dieser Nachweis nicht erforderlich.

Voraussetzungen für die Corona-Lockerungen waren in beiden Ländern sinkende Infektionszahlen sowie Fortschritte bei den Impfkampagnen. In Frankreich lag die Sieben-Tage-Inzidenz zuletzt bei 140 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Vor drei Wochen war sie noch mehr als doppelt so hoch. Knapp ein Drittel der französischen Bevölkerung haben mindestens eine Corona-Impfdosis erhalten.

Auch in Frankreich soll es eine Art Notbremse geben, wenn sich die Lage verschlechtert. Eine Inzidenz von mehr als 400 ist dafür ein Richtwert. In Frankreich werden sowohl die Ergebnisse von PCR- als auch Antigentests in die Berechnung des Inzidenzwerts mit einbezogen.

Auch in Österreich sinkt die Sieben-Tage-Inzidenz stetig, sie liegt landesweit unter hundert. Bereits etwa 40 Prozent der „impfbaren Bevölkerung“ erhielten mindestens eine Corona-Impfdosis.

Lockerungen in Deutschland unterschiedlich

In Deutschland werden die Lockerungen unterschiedlich schnell vorangetrieben. In Schleswig-Holstein, dem Bundesland mit den deutschlandweit niedrigsten Inzidenzwerten, sind seit Montag flächendeckend wieder touristische Übernachtungen erlaubt. Gaststätten dürfen dort sogar ihre Innenräume öffnen.

Andere Länder gehen langsamer vor. So erlaubt die Hauptstadt Berlin ab Freitag zunächst nur Außengastronomie. Auch in der Millionenstadt Hamburg, in der die Inzidenz kaum noch höher als im benachbarten Schleswig-Holstein liegt, darf ab Samstag zunächst lediglich die Außengastronomie öffnen.

Lockerungen gibt es auch jenseits des Atlantiks. In New York, zwischenzeitlich ein Epizentrum der Corona-Pandemie, fielen am Mittwoch diverse Obergrenzen, insbesondere für Restaurants, sowie die Maskenpflicht für Geimpfte.