Iran: Todesurteil gegen jungen Demonstranten aufgehoben

Das Verfahren gegen den 26-Jährigen soll neu aufgerollt werden. Mehrere Protestierende wurden jedoch bereits hingerichtet.

Demonstranten in der Innenstadt von Teheran nach dem Tod von Jina Mahsa Amini. 
Demonstranten in der Innenstadt von Teheran nach dem Tod von Jina Mahsa Amini. AP

Die iranische Justiz hat ein Todesurteil gegen einen jungen Demonstranten aufgehoben. Wie die Justizbehörde am Samstag mitteilte, ordnete der Oberste Gerichtshof in Teheran an, das Verfahren gegen den 26-Jährigen neu aufzurollen. „Der Berufung von Sahand Nurmohammed-Sadeh, einem der Angeklagten der jüngsten Unruhen, wurde vom Obersten Gerichtshof stattgegeben“, erklärte die Justiz auf ihrer Internetseite Misan Online.

Nach Angaben seines Anwalts war der junge Mann wegen seiner Teilnahme an den Protesten des „Krieges gegen Gott“ (Moharebeh) schuldig gesprochen worden - einer Straftat nach islamischem Scharia-Recht, auf die im Iran die Todesstrafe steht. Er ist einer von fast einem Dutzend Iraner, die im Zuge der seit Monaten anhaltenden Proteste im Land zum Tode verurteilt worden waren.

Hunderte Menschen bei Protesten in Iran getötet

Mitte November wurden die ersten Todesurteile in Zusammenhang mit den Protesten verkündet. Am 8. Dezember kam es zu der ersten Hinrichtung. Es wurde ein Mann hingerichtet, der Ende September bei einer Straßenblockade in Teheran ein Mitglied der paramilitärischen Basidsch-Milizen verletzt hatte.

Der Iran wird seit dem Tod der jungen Kurdin Mahsa Amini am 16. September von einer Protestwelle erschüttert. Amini war zuvor von der Sittenpolizei festgenommen worden, weil ihr ein Verstoß gegen die strenge Kopftuchvorschrift für Frauen vorgeworfen wurde.

Offiziellen Angaben zufolge sind bei den Protesten hunderte Menschen getötet worden, darunter auch dutzende Mitglieder der Sicherheitskräfte. Tausende wurden festgenommen. Der Justiz zufolge wurden elf Todesurteile im Zusammenhang mit den Demonstrationen verhängt. Zwei 23-Jährige wurden bereits hingerichtet. In der vergangenen Woche hatte das Oberste Gericht die Überprüfung eines Todesurteils gegen einen kurdischen Rapper angeordnet.