Unwetter auf Insel Ischia: Leichen aus Schlamm geborgen - Notstand ausgerufen

Überschwemmungen auf der italienischen Insel haben schwere Schäden angerichtet. Rettungskräfte entdeckten bislang sieben Leichen. 

Rettungskräfte bringen ein Baby in seinem Kinderwagen in Sicherheit. 
Rettungskräfte bringen ein Baby in seinem Kinderwagen in Sicherheit. dpa/Alessandro Garofalo

Casamicciola-Im Schlamm versunkene Autos, bis ins Meer gerissene Busse, Schutt und Verwüstung in den Straßen: Heftige Unwetter haben am Samstag im Norden der italienischen Mittelmeerinsel Ischia Überschwemmungen und Chaos angerichtet. Zwei Frauen und ein kleines Mädchen verloren in den Schlammmassen ihr Leben, wie die zuständige Präfektur Neapels mitteilte. Einige erlitten Verletzungen.

Am Sonntagabend berichteten italienische Medien, dass die Zahl der Todesopfer, die von den Rettungskräften geborgen wurden, auf sieben angestiegen ist. Die letzten beiden Leichen wurden nach Angaben von Inselbewohnern ebenfalls in der Via Celario in Casamicciola, dem am stärksten von der Überschwemmung betroffenen Ort, gefunden. Sie gehören laut Informationen der Zeitung La Repubblica zum selben Haushalt wie die am Nachmittag gefundenen Kinder, darunter ein erst 20 Tage alter Säugling. 

Am Sonntagnachmittag suchten die Retter noch nach neun vermissten Menschen. Feuerwehrtaucher prüften, ob sich in den ins Meer gespülten Autos möglicherweise Opfer befinden. „Es ist eine Tragödie“, sagte der Zivilschutz-Chef, als das Ausmaß der Verwüstung zutage trat. In Rom betete Papst Franziskus für die Menschen auf Ischia - einer bei Touristen beliebten Insel, auf der auch Altkanzlerin Angela Merkel gerne Urlaub machte.

Einwohner wurden am Morgen von einem Erdrutsch überrascht

Das Unwetter brach in den frühen Morgenstunden über das Eiland mit etwas mehr als 60.000 Einwohnern herein. Besonders betroffen war der Küstenort Casamicciola im Norden. Zwischen Häusern fraß ein Erdrutsch eine Schneise der Zerstörung in einen Hang, wie Fotos zeigten. Die Gegend galt als Risikogebiet. Schnell wurden Stimmen laut, die Behörden hätten in den vergangenen Jahren nicht genug für den Schutz unternommen. Wassermassen spülten Autos durch die Straßen, die teilweise auf dem Dach liege blieben. Aus einem ins Meer gerissenen Wagen rettete die Feuerwehr nach eigenen Angaben zwei Menschen.

Schnell begannen die Aufräumarbeiten. Die Behörden waren zeitweise mit ungefähr 370 Feuerwehrleuten und Polizisten im Einsatz. Vom Festland legten Spezialisten, Fahrzeuge und weitere Verstärkung zu der Insel im Golf von Neapel ab. Das Militär entsandte Hubschrauber und rettete drei Erwachsene und zwei Kinder, die in einer Ferienanlage festsaßen. Andernorts retteten Einsatzkräfte einen Mann, der in einem Gebäude bis zur Brust im Dunkeln im Wasser steckte, wie Videos zeigten. Einsam mühte sich ein kleiner Bagger durch die mit Schlamm bedeckten Straßen und versuchte die teils völlig zerstörten Autos aus dem Dreck zu ziehen.

Unwetter erschwerte Rettungsarbeiten

Am Samstag erschwerte das noch tobende Unwetter die Arbeiten. „Die Situation ist sehr kompliziert“, sagte Innenminister Matteo Piantedosi. Am Sonntag legte sich der Sturm zu Gunsten der Rettungskräfte. Nach letztem Stand holten sie 167 Menschen aus ihren Häusern und brachten sie etwa in einem Hotel unter. Viele hatten über Stunden im betroffenen Teil der Insel ihre Wohnungen nicht verlassen können. Die Verwaltung hatte die Menschen dazu angewiesen. Viele hatten keinen Strom mehr. Schulen, Friedhöfe und Parks waren am Samstag geschlossen geblieben. Das hatte Ischias Bürgermeister Enzo Ferrandino bereits am Freitag wegen der Unwetter-Warnung angeordnet.

Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni rief am Sonntagvormittag ihre Minister in Rom zu einer Sitzung zusammen. Die Regierung erklärte für ein Jahr den Notstand auf Ischia, um schneller Hilfsgelder freimachen zu können. Zwei Millionen Euro sind für den Wiederaufbau vorgesehen, den außerdem eine außerordentliche Kommissarin koordinieren soll.