Jerusalem - Zum vierten Mal innerhalb von zwei Jahren wählen Israels Bürger am Dienstag ein neues Parlament. Nach zwölf Jahren an der Macht hofft Ministerpräsident Benjamin Netanjahu auf einen weiteren Wahlsieg. Im Wahlkampf setzte der 71-Jährige vor allem auf die erfolgreiche Impfkampagne, viele Wähler nehmen ihm jedoch seine Korruptionsverfahren übel und sehnen sich nach einem Wechsel. Experten sehen die Wahlen deshalb in erster Linie als Referendum über Netanjahu.

Nationalkonservative Likud-Partei laut Umfragen am stärksten

Seit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu im Ende 2018 die vorgezogenen Knesset-Wahlen verkündete, ist das Land in einer tiefen Regierungskrise. Kurz nach der Wahl im April 2019 beschloss das Parlament, sich aufzulösen. Im September desselben Jahres fanden erneut Wahlen statt, Netanjahu gab den Regierungsauftrag an Benny Gantz ab – der ebenfalls mit der Regierungsbildung scheiterte. Im März 2020 wählten die Bürger Israels zum dritten mal innerhalb eines Jahres. Die neue Regierung wurde im Mai vereidigt, stimmte jedoch rund sieben Monate später für die eigene Auflösung.

Meinungsumfragen zufolge dürfte seine nationalkonservative Likud-Partei stärkste Kraft im Parlament bleiben, die Mehrheit von 61 Sitzen jedoch deutlich verfehlen und Probleme haben, eine komfortable Koalition zu bilden. Doch auch seinem stärksten Herausforderer Jair Lapid von der liberalen Partei Jesch Atid (Es gibt eine Zukunft) dürfte es kaum gelingen, das heterogene Lager der Netanjahu-Gegner in ein stabiles Bündnis zu führen. Dem Land könnten deshalb schon bald wieder Neuwahlen drohen.