Berlin - Während Armin Laschet noch verbissen versucht, sich an eine Regierungsmacht zu klammern, die er eigentlich nie besessen hatte, macht sein Antipode Markus Söder sich schon lange keine Illusionen mehr. Einen Tag nach der Bundestagswahl verkündete Söder (für die CDU/CSU sprechend) bereits auf Twitter, dass sich aus Platz zwei kein Anspruch auf eine Regierungsbildung ableiten lasse. Und weiter: „Wir machen FDP und Grünen ein Angebot, aber nicht um jeden Preis.“ Klare Aussage.

Man kann Markus Söder eine gewisse Weitsicht nicht absprechen, denn derzeit stehen alle Zeichen darauf, dass die neue Bundesregierung eine Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP werden wird. Es ist insofern nur konsequent, dass Söder zu mehr Realismus mahnt und nüchtern festhält: „FDP und Grüne haben sich entschieden für diesen Weg der Ampel.“ Für die CDU/CSU gehe es auch um „Selbstachtung und Würde“, schreibt er.

Dagegen versuchte Armin Laschet noch am Dienstag – mehr als zwei Wochen nach der Bundestagswahl –nach dem letzten Strohhalm zu greifen: Die Sondierungsgespräche mit der FDP und den Grünen resümierte er so: „Wir glauben, dass ein solches Bündnis eine Breite in der Gesellschaft hat – auch, um das Land nach vorne zu bringen und zu modernisieren.“ Hier prosaischer Realismus, dort uferloser (oder weltfremder?) Optimismus.

Beleidigte Liberale bei Twitter: „CSU-Blutgrätschen gegen Armin Laschet“ 

Ausgerechnet für diesen Realismus gerät Markus Söder nun (mal wieder) ins Kreuzfeuer der Kritik. Und zwar bei jenen, die eigentlich etwas von ihm wollen – nämlich gemeinsam zu regieren. FDP-Politiker Konstantin Kuhle spricht auf Twitter von „CSU-Blutgrätschen gegen Armin Laschet“, die Söder verteile.

Kuhles Parteikollege Max Mordhorst sieht das ganz ähnlich, wenn er twittert, dass Söder „opportunistische Spielchen“ betreibe, die doch „mittlerweile jeder“ durschaue. Und auch der Politiker Jens Blankenburg (Jetzt raten Sie mal, für welche Partei er im Bundestag sitzt ... ja, genau) sieht in Markus Söder den Schuldigen für das zu scheitern drohende Jamaika-Bündnis: 

Hier drängt sich der Eindruck auf, dass die Liberalen Kuhle, Mordhorst und Brandenburg eigentlich viel lieber mit der CDU/CSU regiert hätten, als mit der SPD. Und weil das aller Voraussicht nach nicht passieren wird, haben sie sich einen Sündenbock gesucht – und in Markus Söder offenbar auch gefunden. 

Twitter-User fordern #SoederRuecktritt

Nun hat auch noch der Bayerische Verwaltungsgerichtshof geurteilt, dass die von Söder in Bayern beschlossenen Ausgangsbeschränkungen während der ersten Corona-Welle rechtswidrig gewesen sind. Die Twitter-Community reagiert prompt: In dem sozialen Netzwerk trendet gerade der Hashtag #SoederRuecktritt. 

Söder reagiert in Söder-Manier 

Nur gut, dass der bayerische Ministerpräsident das Bashing gegen seine Person inzwischen gewohnt sein dürfte. Die Kritik lässt ihn daher einigermaßen unbeeindruckt. In kühler, nüchterner Söder-Manier kommentiert er auf Twitter, dass Jamaika-Sondierungen mit Grünen und FDP zwar fair gewesen wären. Aber dass die beiden Parteien sich entschieden hätten, ohne Union ein Ampelbündnis zu sondieren: „Wir bedauern, aber respektieren diese Entscheidung.“ Markus Söder legt schlichtweg einen gewissen Realismus an den Tag, den andere vermissen lassen.