Berlin - „Tatort“-Star Jan Josef Liefers erntet für sein Praktikum auf einer Covid-19-Intensivstation weiterhin Kritik. Nach der Kunstaktion #allesdichtmachen im April, bei der der Schauspieler die Corona-Maßnahmen hinterfragt hatte, wollte sich Liefers jetzt selbst ein Bild von der Lage im Krankenhaus machen. Und dieses Klinik-Praktikum gefällt nicht jedem. Der prominente Berliner Intensivpfleger Ricardo Lange schreibt auf Instagram: „Ich möchte noch einmal dafür sensibilisieren, dass ein Krankenhaus – und ganz speziell die Intensivstation – ein Ort ist, an dem es Menschen sehr schlecht geht. Nicht selten sterben diese Patienten an ihren Erkrankungen.“

Ohne den Namen Jan Josef Liefers direkt zu nennen, findet Ricardo Lange das Verhalten offenbar unfair gegenüber den Angehörigen. Ein Krankenhaus sei nicht der richtige Ort für Sightseeing, so Ricardo Lange auf Instagram. In seinem Post heißt es wörtlich: „Stell dir vor, einer deiner engsten Angehörigen liegt schwer erkrankt auf der Intensivstation. Es gelten immer noch die eingeschränkten Besucher-Regelungen. Eine Stunde hast du also Zeit, die Hand deiner Mutter oder deiner Oma zu halten. Dann musst du die Station verlassen. Während du also schweren Herzens zur Tür raus gehst, kommt dir ein prominenter Schauspieler entgegen – dessen Gesicht du vielleicht unter anderem aus der Serie ‚Tatort‘ kennst – und dem gestattet wurde, ganze acht Stunden hier zu bleiben“.

Ricardo Lange wirft Liefers Voyeurismus vor: „In der Zeit, in der du nun voller Sorge zu Hause sitzt, steht dieser Privilegierte mit am Bett und schaut zum Beispiel zu, wie deine Schwester oder dein Vater bei der Körperpflege völlig entblößt auf dem Rücken liegt. Wie der Intimbereich gewaschen und das Gesäß vom Stuhlgang befreit wird. Ein sehr intimer Moment!“ 

Jan Josef Liefers: Wir machen Ungeimpften zu viel Druck

Jan Josef Liefers hält auch nach dem Klinik-Praktikum an seiner Kritik in Teilen fest. Der „Tatort“-Star äußerte sich vergangene Woche kritisch zur deutschen Impfkampagne. In einer Sendung von Bild-TV sagte er: „Ich weiß natürlich auch, dass wir Leute, die sich gegen eine Impfung entscheiden, massiv unter Druck setzen. Mir ist nicht ganz klar, warum wir das tun.“ In Deutschland gebe es nun mal keine Impfpflicht, darauf habe sich die Regierung geeinigt, so Liefers.

„Leute bis an den Rand der Erpressung unter Druck zu setzen und ihnen zum Teil finanzielle und berufliche Nachteile mitzugeben, das ist für mich unverständlich. Zumal wir eine Impfquote haben, die offensichtlich sehr viel höher ist“, erklärte der Schauspieler weiter. Er selbst sei geimpft, habe sich diese Entscheidung aber nicht leicht gemacht.