Berlin - Der Schauspieler Jan Josef Liefers ist der Meinung, dass der deutsche Staat zu viel Druck auf Menschen macht, die sich nicht gegen das Coronavirus impfen lassen können oder wollen. In einer Sendung von Bild sagte er: „Ich weiß natürlich auch, dass wir Leute, die sich gegen eine Impfung entscheiden, massiv unter Druck setzen. Mir ist nicht ganz klar, warum wir das tun.“ In Deutschland gebe es nun mal keine Impfpflicht, darauf habe sich die Regierung geeinigt, so Liefers. 

„Leute bis an den Rand der Erpressung unter Druck zu setzen und ihnen zum Teil finanzielle und berufliche Nachteile mitzugeben, das ist  für mich unverständlich. Zumal wir eine Impfquote haben, die offensichtlich sehr viel höher ist“, erklärte der Schauspieler weiter. Er selbst sei geimpft, habe sich diese Entscheidung aber nicht leicht gemacht.

In der Nacht zu Freitag wurde bekannt, dass Liefers ein Praktikum auf einer Covid-Intensivstation gemacht hatte. „Alle Covid-Patienten hier auf Intensiv waren schwer erkrankt, dem Tod näher als dem Leben. Alle jung, von 28 bis 48 Jahre alt. Alle ungeimpft“, schrieb der 57 Jahre alte Tatort-Star in einem Gastbeitrag. „Auch die beiden hochschwangeren Frauen, deren Kinder per Not-OP geholt wurden und leben, während die Mütter es nicht geschafft haben, wie ich inzwischen weiß.“ 

Für seinen Einsatz auf der Intensivstationen gab es erst viel Lob. Auch von Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach (SPD), der jetzt aber Liefers' Kritik an der Corona-Impfung nicht versteht und mächtig sauer ist. Auf Twitter schrieb Karl Lauterbach: „Unglaublich. Ich hatte @JanJosefLiefers noch gelobt, weil er Intensivstation besucht hatte. Das nehme ich zurück. Jetzt nutzt er den Besuch, um dem Staat Erpressung von Ungeimpften zu unterstellen. Er hat gar nichts dazu gelernt.“

Der Tatort-Star hatte sich im Frühjahr an der Aktion #allesdichtmachen beteiligt, bei der Dutzende Film- und Fernsehschauspieler mit ironisch-satirischen Clips die Coronapolitik in Deutschland kommentiert hatten. Nach heftiger Kritik kündigte Liefers in einem Streitgespräch mit Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an, sich bei der Gegenaktion #allemalneschichtmachen angemeldet zu haben. Die Medizin-Bloggerin „Doc Caro“ hatte die Schauspieler aufgerufen, für eine Schicht im Rettungsdienst oder auf einer Intensivstation mitzuarbeiten.