BerlinGesundheitsminister Jens Spahn (CDU) soll Medienberichten zufolge seine Chancen auf die Kanzlerkandidatur ausgelotet haben. Wie das Nachrichtenmagazin Der Spiegel berichtet, habe er zahlreiche Telefonate mit einflussreichen CDU-Politikern geführt. Obwohl einige Parteikollegen in diesem Zusammenhang zitiert werden, hat der Sprecher von Spahn mögliche Gespräche zum Ausloten einer Kanzlerkandidatur dementiert. 

Demnach berichtet Der Spiegel unter Berufung auf „ein halbes Dutzend CDU-Mitglieder“, Spahn habe sich in Telefonaten an Landtagsabgeordnete, Fraktionskollegen und Landesfunktionäre gewandt, um zu prüfen, wie sie zu Spahns möglicher Kanzlerkandidatur stehen. Dabei soll er argumentiert haben, dass er laut Umfragen als beliebtester Politiker Deutschlands gelte. Bundeskanzlerin Angela Merkel steht für eine weitere Amtsperiode nicht zur Verfügung.

Armin Laschet könnte dann CDU-Parteichef werden

Im Rennen um den CDU-Vorsitz wolle Spahn ein Team mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet bilden, wobei Laschet Parteichef werden soll. Auch die Bild-Zeitung berichtete über Telefonate Spahns mit wichtigen Parteikollegen. Der Gesundheitsminister habe dabei gesagt, dass er über eine Kanzlerkandidatur auch dann nachdenke, wenn Laschet den CDU-Vorsitz übernehmen sollte.

Ein Vorsitzender eines CDU-Landesverbandes soll der Bild-Zeitung (Freitagausgabe) erklärt haben, Spahn denke „sehr offen darüber nach zu kandidieren und sagt das in Gesprächen auch ganz eindeutig“. Auch ein CDU-Landes-Fraktionschef bestätigte die Überlegung des Gesundheitsministers. „Jens Spahn hat mir gegenüber klargemacht, dass er für eine Kanzlerkandidatur offen ist, wenn seine Umfragewerte im März wesentlich besser sind als die von Laschet.“

Spahns Sprecher wiegelt ab

Ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums habe derartige Gedankenspiele Spahns abgewiegelt. Laut Spiegel habe der Sprecher in einer Stellungnahme mitgeteilt, dass Spahn sich ständig mit Parteimitgliedern austauscht. „Dabei geht es selbstverständlich auch um die Stimmung vor dem Parteitag, die Unterstützung für das Team mit Armin Laschet und die beste Aufstellung von CDU und CSU für das Wahljahr.“

Die Bild-Zeitung zitierte die gleiche Erklärung. Auf die Frage, ob Spahn in Telefonaten seine Chancen auf eine Kanzlerkandidatur sondiert habe, habe der Sprecher gesagt: „Nein, das stimmt nicht.“ 

CDU-Machtkampf: Röttgen kritisiert Spahn und Merz

In einem Interview mit Bild-Online kritisierte Norbert Röttgen, der als Kandidat für den CDU-Vorsitz antritt, Spahn sowie seinen Konkurrenten um den Parteivorsitz Friedrich Merz. Demnach sagte Röttgen der Bild: „Die Frage stellt sich nun wirklich nicht, und es haben jetzt auch alle etwas anderes zu tun, die nicht in der Regierung sind, und vor allen Dingen die, die in der Regierung sind. Vor allem die, die sich mit der Bekämpfung (der Pandemie; Anm.) vordringlich beschäftigen sollten und zu beschäftigen haben als mit der eigenen Karriere oder mit Personal und Machtfragen, die noch in der Zukunft liegen.“