LondonDer frühere Labour-Vorsitzende Jeremy Corbyn soll von der größten Oppositionspartei im britischen Parlament ausgeschlossen bleiben. In einer Stellungnahme verweigerte der Vorsitzende Keir Starmer seine Rehabilitierung, berichtete der Guardian. Demnach drohte mindestens eine jüdische Abgeordnete der Partei mit Rücktritt, sollte Corbyn wieder in die Partei aufgenommen werden.

Zuvor hatte ein parteiinterner Disziplinarausschuss dessen Wiederaufnahme erlaubt, nachdem der 71-Jährige Äußerungen zurückgenommen hatte, wonach das Thema Antisemitismus in der Partei „aus politischen Gründen von unseren Gegnern innerhalb und außerhalb der Partei sowie von einem Großteil der Medien dramatisch übertrieben dargestellt worden“. Corbyn hatte seine Aussagen als Reaktion auf einen Bericht getroffen, wonach die Partei unter seiner Führung Antisemitismus zugelassen habe.

Daraufhin war seine Mitgliedschaft suspendiert worden. Kritiker, darunter auch jüdische Stimmen, warfen der Labour-Führung ein politisches Manöver gegen Corbyn vor. Dieser war als Vorsitzender zurückgetreten, nachdem die Partei bei der Parlamentswahl im Dezember 2019 ihr schlechtestes Ergebnis seit 1935 hinnehmen musste.

Ein im Frühjahr 2020 geleakter interner Bericht aus der Labour-Partei zeigte, dass sich Mitglieder der Labour-Parteizentrale aus Abneigung gegen Corbyn diffamierend gegen den linken Flügel der Partei geäußert und deren Wahlkampf 2017 sabotiert haben sollen. Demnach wurde beispielsweise in manchen Fällen Geld in Wahlkreise mit konservativen Labour-Kandidaten statt in solche mit linken Bewerbern geleitet.