Berlin - Die Impfdebatte um Joshua Kimmich lässt nicht nach und erreicht immer höhere politische Kreise. Nun haben sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie Bundestagspräsidentin Bärbel Bas eingemischt – und Lukas Podolski versteht die Welt nicht mehr.

Kimmich werde in der Öffentlichkeit quasi „als Schwerverbrecher“ hingestellt, wetterte der Weltmeister von 2014 in der Bild. Für ihn hat die aufgeheizte Diskussion einen bitteren Beigeschmack: „Man zwingt einen ja fast schon, sich da was reinspritzen zu lassen, das ist ja das Absurde. Der Druck wird ja jeden Tag erhöht.“

Dem widerspricht Merkel. Auch für einen Fußballprofi wie Kimmich gebe es keine Impfpflicht, sagte die CDU-Politikerin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS). Die offizielle Begründung Kimmichs, sich aufgrund „persönlicher Bedenken“ hinsichtlich „fehlender Langzeitstudien“ noch nicht gegen das Coronavirus impfen zu lassen, kann Merkel jedoch nicht nachvollziehen. Es gebe „auf seine Fragen und Zweifel sehr gute Sachargumente, die allgemein verfügbar sind“. Die Kanzlerin hofft daher: „Vielleicht macht sich Joshua Kimmich darüber ja auch noch Gedanken. Er ist ja als sehr reflektierter Fußballer bekannt.“

Bärbel Bas lädt Joshua Kimmich zum Gespräch über Corona und Impfungen ein

Die neue Bundestagspräsidentin Bärbel Bas lud den Nationalspieler sogar zu einem Gespräch über Corona und die Impfstoffe ein. „Ich treffe mich gerne mit Joshua Kimmich auf einen Kaffee. Denn ich bin ihm sogar dankbar, dass er die Debatte über Langzeitfolgen der Impfungen vor dem Winter noch einmal angestoßen hat“, sagte die SPD-Politikerin der Rheinischen Post.

Bas sei in gewisser Weise sogar froh, dass Kimmich die Impfdebatte „zum richtigen Zeitpunkt“ wieder verstärkt habe. „Vielleicht lassen sich dann noch mehr Menschen von einer Impfung überzeugen, bevor sie von der vierten Welle erwischt werden, die jetzt rollt“, sagte sie.

Beim 5:2-Auswärtssieg der Bayern bei Union Berlin gab es für Kimmich keine nennenswerten Reaktionen von den Rängen. Pfiffe oder Buhrufe wären auch fehl am Platz, findet Podolski: „Es wird dem Joshua auch nicht gerecht, ihn jetzt an den Pranger zu stellen für so was.“

Kimmich hat mit seinem Teamkollegen Leon Goretzka die Initiative „We Kick Corona“ ins Leben gerufen und finanziell unterstützt. Diese spendet unter anderem Geld für Impfkampagnen sowie soziale und karitative Projekte.