London - Der britische Premierminister Boris Johnson hält es für „überlegenswert“, Hunderte Millionen Pfund historischer Schulden an den Iran in „Kästen voller Bargeld“ zu bezahlen, um Sanktionen gegen das Land zu umgehen. Das sagte der konservative Politiker auf eine entsprechende Frage am Mittwoch vor einem Ausschuss im britischen Unterhaus. Konkret geht es um 400 Millionen Pfund (etwa 468 Millionen Euro) aus einer Panzerbestellung des Schahs, die zwar bezahlt, aber nach seinem Sturz 1979 nie ausgeliefert wurde.

Die ausstehende Schuld wird von iranischer Seite mit dem Fall der iranisch-britischen Doppelstaaterin Nazanin Zaghari-Ratcliffe in Verbindung gebracht, die seit 2016 im Iran unter anderem wegen Spionagevorwürfen festgehalten wird. London hält die Vorwürfe gegen die ehemalige Projektmanagerin der Thomson Reuters Stiftung für konstruiert. Ihr Mann Richard Ratcliffe hatte erst vor wenigen Tagen einen dreiwöchigen Hungerstreik vor dem Außenministerium in London beendet, mit dem er die Regierung zum Handeln bringen wollte.

Bisher sind alle diplomatischen Bemühungen gescheitert, eine Freilassung Zaghari-Ratcliffes und weiterer britisch-iranischer Doppelstaater zu erwirken. Ihre Unterstützer hoffen, dass eine Zahlung der Schulden das Problem lösen könnte. Doch internationale Sanktionen gegen den Iran erschweren eine Transaktion. Zudem betont die Regierung in London, die beiden Angelegenheiten dürften nicht vermischt werden.