Den Haag - Nachdenken konnte er am besten auf dem Fahrrad. „Ich fahre das ganze Jahr über. Im Sommer draußen, im Winter drinnen“, sagte Peter R. de Vries im Interview mit der niederländischen Zeitung de Volkskrant und gab unumwunden zu: „Ich bin da ein bisschen zwanghaft. Wenn ich 75 Kilometer fahren will, fahr ich mindestens 75 und nicht 74.“ Kein Zweifel, der Mann war nicht abzubringen von seinem Ziel.

Manche bezeichneten de Vries auch als Pitbull

Das ließ der Journalist Peter R. de Vries auch andere spüren. Wenn es ihm nicht schnell genug ging, zog er alleine weiter. 1978 beginnt de Vries seine Karriere als Polizeireporter beim Boulevardblatt Telegraaf, er berichtet über die Entführung des Brauereilöwen Freddy Heineken. Bald kommt ein Buch über den Fall heraus. Bald merkt de Vries aber auch, dass ihm Schreiben zu wenig war. Er ermittelte selbst, auf eigene Faust, mit unkonventionellen Mitteln. Einen der Heineken-Entführer spürte er selbst in Südamerika auf, mit dem anderen, Cor van Hout, war er befreundet.

De Vries wurde mitunter als arrogant empfunden, manche bezeichneten ihn auch als Pitbull. Wobei das anerkennend gemeint war. De Vries verstand sich als Vorkämpfer für Gerechtigkeit. In einem Land wie den Niederlanden, wo die Justiz leicht als zu nachsichtig empfunden wird, machte ihn das zu einem Helden.

In seiner Fernsehsendung „Peter R. de Vries, misdaadsverslaaggever“ rief er nicht nur zu Fahndungstipps für die Ermittler auf. De Vries ermittelte selbst, brachte Mörder zur Strecke und holte zu unrecht Verurteilte aus dem Gefängnis. „Ich bin nicht mehr nur Journalist“, sagte de Vries etwas unbescheiden, „ich bin eine Institution geworden.“

De Vries‘ Arbeit geht weiter. Sein Sohn ist Anwalt

Die Institution de Vries ist anderen Mächtigen zu nahe gekommen. Im Prozess gegen den mutmaßlichen Drogenboss Ridouan Taghi beriet er den Kronzeugen. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler wurde er deshalb vorige Woche in Amsterdam auf offener Straße niedergeschossen, zwei Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft.

Nach früheren Angaben von de Vries stand er auf Taghis „Abschussliste“. Der Drogenboss gilt als meistgesuchter Verbrecher der Niederlande, seine Organisation wird von Staatsanwälten als „gut geölte Tötungsmaschine“ beschrieben. Der Angriff auf den Journalisten hatte über die Grenzen der Niederlande hinweg für Entsetzen gesorgt.

Amsterdams Bürgermeisterin Femke Halsema erklärte, de Vries „war mutig und ein Freigeist“, der niederländische Regierungschef Mark Rutte zeigte sich „tief berührt“ und drückte der Familie sein Beileid aus, seine letzte Redaktion „RTL Boulevard“ teilte mit: „Er war noch nicht fertig.“

De Vries’ Arbeit geht weiter. Sein Sohn ist Anwalt. Die beiden arbeiteten eng zusammen. Reisen, erklärte Peter R. de Vries dem Volkskrant, „bedeutet, dass du in ein anderes Land gehst“. Neunzig Länder hatte er schon besucht, hundert sollten es werden. Mindestens. „Ich hab auf die Weltkarte geschaut, wo man nicht hin kann“, so de Vries. Kein Zweifel, der Mann war noch nicht fertig. Am Donnerstag ist Peter R. de Vries im Alter von 64 Jahren gestorben.