Journalist Wolf Schneider ist tot

Durch ihn lernten Generationen von Journalisten in Deutschland ihr Handwerk. Nun ist der Journalist und Sprachkritiker Wolf Schneider mit 97 Jahren gestorben.

Der Journalist Wolf Schneider ist tot.
Der Journalist Wolf Schneider ist tot.imago/Müller-Stauffenberg

Der bekannte Journalist und Sprachkritiker Wolf Schneider ist tot. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf Schneiders Familie. Demnach starb der Publizist in der Nacht zum Freitag in Starnberg bei München. Er wurde 97 Jahre alt.

Schneider war Reporter und Redakteur, US-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, Verlagsleiter beim Stern, Chefredakteur der Welt und leitete viele Jahre die Henri-Nannen-Schule in Hamburg, wo er ganze Generationen von Journalisten unterrichtete. Bekannt wurde er auch durch seine Sachbücher über Sprache und Stil, wie „Wörter machen Leute“, „Deutsch für Profis“ oder „Deutsch für Kenner“ mit Ratschlägen für klares, verständliches Deutsch.

Bei vielen angehenden Journalistinnen und Journalisten galten solche Titel jahrzehntelang als Pflichtlektüre, aber auch außerhalb der Medienbranche verkauften sich seine Attacken auf Blähwörter, unnötige Anglizismen, Satzungetüme und geschwurbelte Formulierungen bestens.

Wolf Schneider: Erst gegen das T-Shirt, später gegen das Gendern

Wer gelesen werden wolle, müsse sich plagen, war Schneiders Motto. Verkürzt zu „Qualität kommt von Qual“ war es im Eingang der Henri-Nannen-Schule in Hamburg in Stein gemeißelt zu lesen.

Als Schneider die Leitung der Henri-Nannen-Schule 1995 an Ingrid Kolb abgab, war er in einem Alter, in dem andere lange in Rente sind. Er dagegen schrieb weitere Bücher, gab Seminare zu sprachkritischen Themen und engagierte sich unter anderem bei der Aktion Lebendiges Deutsch.

Hatte er in früheren Jahren noch gegen Anglizismen wie T-Shirt, Mountainbike oder Airbag gewettert und verlangt, dafür deutsche Entsprechungen zu verwenden, wurde er mit dem Alter in dieser Hinsicht milder. Zumindest gegen kurze, prägnante englische Lehnwörter wie „Sex“ sei nichts einzuwenden, befand er später.

Allerdings wandte sich Schneider deutlich gegen das Gendern in der deutschen Sprache. Der Bild-Zeitung sagte er: „Die ganze Gender-Debatte ist eine Wichtigtuerei von Leuten, die von Sprache keine Ahnung haben. Zwischen dem natürlichen und dem grammatischen Geschlecht besteht nicht der geringste Zusammenhang. Wie könnte es sonst das Weib heißen? Der Löwe, die Schlange, das Pferd. Obwohl sie alle dieselben zwei Geschlechter haben.“ Die Führungskraft, im grammatischen Geschlecht weiblich, sei heute überwiegend ein Mann – und keiner habe sich je beschwert, so Schneider. „Die Liebe ist weiblich, dabei soll es bleiben.“

2019 gehörte Schneider zu den Initiatoren eines Aufrufs des Vereins Deutsche Sprache unter der Überschrift „Schluss mit dem Gender-Unfug“. In dem Text wurden unter anderem „lächerliche Sprachgebilde“ wie „die Radfahrenden“, „die Studierenden“ oder sogar „Luftpiratinnen“ und „Idiotinnen“ kritisiert und „als weitere Verrenkung noch der seltsame Gender-Stern“ aufs Korn genommen.