Villen-Kauf in Berlin: Lindner drohen Ermittlungen wegen Korruption 

Der Finanzminister hielt ein Video-Grußwort für die Bank, die ihm Kredite genehmigte. Die Berliner Justiz prüft die Aufhebung seiner Abgeordneten-Immunität.

Finanzminister Christian Lindner (FDP)
Finanzminister Christian Lindner (FDP)dpa/Britta Pedersen

Bundesfinanzminister Christian Lindner ist in den Fokus der Berliner Staatsanwaltschaft geraten. Dem FDP-Chef drohen einem Medienbericht zufolge Ermittlungen wegen Korruptionsverdachts. Der Politiker soll angeblich Gefälligkeiten für eine Karlsruher Privatkundenbank übernommen haben, die ihm Kredite für seinen privaten Villenkauf in Berlin genehmigte. Einem Bericht des Tagesspiegels zufolge prüft die Korruptionsabteilung der Berliner Generalstaatsanwaltschaft nun die Aufhebung von Lindners Abgeordneten-Immunität, um gegen ihn förmlich ermitteln zu können. Lindner wies die Vorwürfe noch am Sonntagabend zurück. 

Der FDP-Chef soll bei der Erstellung eines Minister-Grußworts für die BBBank im Mai 2022 verschwiegen haben, dass er bei dem Geldinstitut einen Kredit für seinen privaten Hauskauf aufgenommen hat. Weil er sich nach dem Grußwort, das per Video aufgezeichnet wurde, bei derselben Bank einen weiteren Kredit geben ließ, droht ihm jetzt ein Strafverfahren wegen Vorteilsannahme. Ein Justizsprecher sagte dem Tagesspiegel, dies sei „in solchen Fällen üblich und ohne dass damit schon eine Aussage über das Vorliegen eines Anfangsverdachts getroffen wird“.

Villa in Berlin: Lindner ließ sich ungewöhnlich hohe Grundschuld eintragen

Rückblick: Spiegel-Recherchen deckten im Herbst vergangenen Jahres auf, dass sich Lindner im Januar 2021 ein Zweifamilienhaus im Berliner Villenviertel Nikolassee für 1,65 Millionen Euro gekauft hatte. Den Kredit dafür bekam er von der genannten Bank, für die er auch mehrere Vorträge hielt und dafür Honorare annahm. Zudem soll er in einem Image-Video der Bank mitgewirkt haben. Einen Monat später ließ sich Lindner den Angaben zufolge eine ungewöhnlich hohe Grundschuld von 2,35 Millionen Euro eintragen. Solche Grundschulden dienen der Kreditsicherung. Bei Nichtzahlungsfähigkeit kann die Bank vollstrecken.

Anfang Juli 2022 habe sich Lindner erneut Geld bei der BBBank geliehen, heißt es. Er trug Berichten zufolge eine weitere Grundschuld ein, diesmal über 450.000 Euro. Ob dies tatsächlich in irgendeinem relevanten Zusammenhang mit dem Minister-Grußwort steht, ist bisher unklar. 

Christian Lindner weist die Vorwürfe zurück

Lindner wies die Vorwürfe umgehend zurück. Sein Anwalt Christian Schertz teilte am Sonntagabend mit: „Seine private Immobilienfinanzierung hat Herr Lindner lange vor der Übernahme seines Ministeramtes begonnen. Alle Konditionen waren stets marktüblich. Die Gewährung eines kurzen Grußworts zu Jubiläen wie dem hundertjährigen Bestehen einer Bank gehört zur regulären Amtsführung eines Ministers.“

Die Antikorruptionsorganisation Transparency International hatte nach Bekanntwerden der Zusammenarbeit zwischen der Bank und Lindner öffentlich gefordert, die Vorgänge rund um den Kauf der Immobilie offen zu legen. Weder Lindner persönlich noch das Bundesfinanzministerium haben bisher konkrete Angaben dazu gemacht. 


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