Kabelfernsehen könnte bald 18 Euro im Monat für Mieter kosten.
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BerlinFernsehen könnte für Mieter deutlich teurer werden. Das liegt an Plänen der Minister für Wirtschaft und Verkehr, Peter Altmaier (CDU) und Andreas Scheuer (CSU). Sie wollen die „Umlagefähigkeit“ kippen – die Umlage der Kabelfernsehkosten durch Vermieter auf die Nebenkosten jeder Wohnung. Dafür werden im Schnitt acht Euro im Monat fällig. Daraus könnten 18 Euro werden.

Die Bundesregierung will nämlich, dass jeder Haushalt einen eigenen Vertrag mit einem Netzbetreiber abschließt. Die Begründung des Altmaier-Ministeriums: „Mieter sollen die Chance haben, ihren Anbieter selbst zu wählen.“ Das könne über den Wettbewerb zu niedrigeren Preisen führen.

Automatisch fließende Einnahmen würden für Anbieter wegfallen

Die Anbieter befürchten, Kunden könnten den Aufwand meiden, einen Vertrag abzuschließen, zum Satelliten- oder Internetempfang wechseln. Die praktisch automatisch fließenden Einnahmen fielen weg, weil die Anschlüsse bislang abgerechnet werden, egal, ob ein Fernsehapparat angeschlossen oder nicht. Eine weitere Befürchtung: Kleine Sender, die ihr Programm bisher nur über Kabel anbieten, könnten verschwinden.

Für die Netzbetreiber ist das Fernsehgeschäft folglich einträglich - Verträge mit Wohnungsbaugesellschaften und anderen großen Vermietern sind lukrativ, der Verwaltungsaufwand ist gering. „Die Umlagefähigkeit garantiert mehr als 12 Millionen Haushalten ein kostengünstiges und besonders vielfältiges Fernsehangebot“, argumentiert Thomas Braun, Präsident des Kabelnetzbetreiber-Verbandes Anga.

Kabelfernsehen: Bei Einzelverträgen würde der Preis deutlich steigen

Würden Einzelverträge eingeführt, würde der Preis angesichts höherer Verwaltungskosten deutlich steigen, heißt es beispielsweise von Vodafone - aktuell koste ein einzelner Kabelfernsehvertrag 18 Euro und damit mehr als das Doppelte des bisherigen Preises, der umgelegt wird.

Die Telekom dagegen erwartet Preissenkungen durch die Regierungspläne. Sie ist beim Fernsehkabel außen vor. Ihr unter anderem über Telefonkabel übermitteltes Fernsehen spielt am Markt keine allzu große Rolle. Klar sei, dass sich die meisten Großkunden für Kabel entscheiden - und nicht für die Telekom. „Die Zwangsabgabe für ein Fernseh-Kupferkabel aus dem letzten Jahrhundert, von der etwa 12,5 Millionen Mieter betroffen sind, muss abgeschafft werden.“

Höhere Fernsehkosten: Hartz-IV-Empfänger wären besonders betroffen

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Reinhard Houben sage, Hartz-IV-Empfänger wären besonders betroffen. Denn bisher übernimmt das Amt deren Mietnebenkosten - fielen die TV-Kosten raus, müssten die Bezieher staatlicher Sozialleistungen das Geld selbst berappen. Vielen wäre das wohl zu teuer -  „und dann haben sie keinen direkten Zugang zu Informationen im Fernsehen.“ Ralph Lenkert von der Linken ist ebenfalls dagegen. „Eine Gesetzesänderung, die zu einer Preiserhöhung für die  Bürger führt, lehnen wir ab.“ Öffentlich-rechtliche Sender sollten für jedermann kostenlos sein.

Der Mieterbund plädiert für eine Beibehaltung der Umlagefähigkeit. Unzufriedene Mieter sollten aber aussteigen können. Dann hätten alle Mieter die Wahl, vom wem sie TV und Internet beziehen wollen. Der Pferdefuß: Je mehr Mieter den Gemeinschaftsvertrag verlassen, desto teurer würde der Fernsehbezug für den einzelnen Mieter.